Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Führer durch das Museum für Volkskunde.

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Stube, aus dem Jahre 1700 stammend( siehe dieInschrift auf dem Supraport über der Eingangstür),besitzt einen für die Unterbringung der Bettstättebestimmten Einbau mit zierlicher Gitterbekrönung.Bemerkenswert das Türportal, der eingebaute Wand-schrank, das Waschkästchen sowie die beiden Truhenmit typischer Ornamentik; über dem Tisch imHerrgottswinkel, eine Heiligen Geist- Taube.

RAUM VII.

Tiroler Mobiliar.

In diesem Raume sind eine Anzahl hochalter-tümlicher Möbelstücke zumeist aus Südtirol zu-sammengestellt; man beachte die beiden primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivenGiebelkästen des 15. Jahrhundertes aus dem Puster-tal sowie den mit gotischem Gitterwerk ab-geschlossenen Küchenwandschrank( für Milch undButter) aus der Brünecker Gegend; weiters eineMehl- und Getreidetruhe in Satteldachform( 16. Jahr-hundert sowie zwei mit gotischer Ornamentik inRitztechnik verzierte Oetztaler Truhen des 16. Jahr-hundertes.

RAUM VIII.

Italienisches Mobiliar und Hausrat,Küstenland und Istrien.

In diesem Raum sind Gegenstände zur Illustrationder italienischen Hauskultur des istrischen Küsten-gebietes zusammengestellt. Man beachte das Modelleiner Schifferhütte( Capana) aus den Lagunen beiAquileja nebst mehreren Einrichtungsstücken aussolchen Hütten; die Schiffswimpelzierate von Cherso;die Votivschiffe, aufgeopfert für Errettung ausschwerer Seenot; verschiedene Netze, Reusen undanderes Fischfanggerät der Lagunenfischer. Fernerbemerkenswert die eisernen Kesselgestelle mitSchwingkesseln aus Kupfer, Wasserkessel am Trag-balken, ein transportabler Schiffsherd und der-gleichen mehr.

Durch den Seitengang zurück, den Eingangs-raum querend, zu

RAUM XIII.

Egerländer Wohnstube.

Die Einrichtung dieser Stube weist die üblichenMöbelstücke, die zumeist mit figuralen Darstellungengeschmückt sind, auf: Himmelbett mit zu-gehöriger Wiege auf Fußgestell, Schrank undEckschränkchen mit Geschirr und Gläsern;den Tisch, dessen Platte mit einem Gemälde, dieTaufe Jesu darstellend, geschmückt ist, und dreiLehnstühle, deren Lehnen figural geschnitzt, Eger-länder Musikanten und eine Hochzeitsgesellschaftdarstellen. An den Wänden die charakteristischenHochzeits- und Federbilder mit Vogeldarstellungen( Egerländer Hausindustrie).

RAUM XIV.

Wohnstube aus dem Kuhländchen.In der niedrigen Stube mit Holztramdecke( gegenüber dem fehlenden umfangreichen Kachel-.ofen mit Bank und Trockenstangen) das zwei-spännige Bett mit primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver Malerei, die Wiege( Wiech) Truhen und Schränke, der Speise-kasten( Aolmer), die Stühle(» Schemel<),der Kleiderrechen im gleichen Stil, haupt-sächlich mit primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Pflanzenornamenten bemalt;

um den Tisch die Bänke, teilweise mit Drehlehneversehen. Sämtliche Einrichtungsstücke von sehrnüchternem Charakter, durchwegs auf das Praktischegerichtet. Ueber den Türen Haus- und Handwerks-schilder.XV.

Tschechische Wohnstube( Umgebung vonEibenschitz).

Diese Stube ist in Anorduung und Ausstattungder Möbel vollkommen typisch, da die slawischeBevölkerung Mährens wie in der Tracht auch imHause und seiner Einrichtung das Herkommen zähbewahrt hat. Sämtliche Einrichtungsstücke warenvormals in Wirklichkeit zu einer Wohnstube imMarkte Mohelno vereinigt. Die Bemalung der Möbel-stücke ist zumeist noch die alte; nur die Schüsselremist im alten Stil frisch bemalt. Auf der Eckbank sind dieNamen der Hausherren und des Tischlers aufgemalt,

RAUM XVI.

Slowakische Herdstube.

Ein Holzpfeiler stützt den Durchzugsbalken derDecke; links der Herdabteil des Raumes, gewöhnlichdurch einen Vorhang vom Wohnteil abgetrennt;die Herdwand charakteristisch mit bunter Musterungbemalt. Die Einrichtungsstücke stammen sämtlichvon Groß- Blatnitz in Mähren. Einrichtungsstücke:Blaues, bunt bemaltes Bett( postel) mit zweiTuchenten und sechs hochgetürmten bunten Pölstern;zwei blaue, bunt bemalte Truhen( truhla); an derBettwand eine Binsenmatte( Hausindustr e-artikel von Groß- Blatnitz). Neben dem Bett eineblaue Wiege( kolebka) mit Raben bemalt( dieKinder bringt nicht der Storch, sondern der Rabe).Eine blaue, bemalte Doppelbank( lavice<) miteinem Tisch(> stul) und zwei rohgeschnitztenSesseln. Ueber dem Tische hängt eine Pfingsttaube.Ueber der Bank einerseits eine mit Engelsköpfenbemalte Bilderleiste, auf welcher vierWachsreliefbilder ruhen, darunter 15 Wall-fahrtsbildchen in bunten, von einer Slowakin ge-flochtenen Papierrahmen; andererseits eine bemalteSchüsselrem mit slowakischem Bauerngeschirr.Ueber dem Bette hängen vier Bilder von dembereits verstorbenen slowakischen Dorfmaler Hanin Groß- Blatnitz, darstellend den heiligen Antoniusmit der Wallfahrtskirche auf dem Antonsberg bei Groß-Blatnitz, Mariens Krönung, Maria auf der Mondsichelund den heiligen Florian. Endlich ist zu bemerken einTrittspinnrad mit Spindel und Spulenantrieb.

RAUM XVII UND XVIII.Altertümliches Herd- und Beleuchtungs-gerät.

Zumeist einer vom, vormaligen OberstleutnantL. Benesch zusammengebrachten, im Besitz desstehendenkunsthistorischen MuseumsSpezial-sammlung zugehörig.

Die Geschichte des Beleuchtungs-wesens vom 15.- 19. Jahrhundert erfährt hiereine erschöpfende Illustration. Außerdem ist ver-schiedenes Herdgerät, zumeist aus den Alpenländernstammend, eine große Zahl von Werkzeug-type, n( 16.- 18. Jahrhundert, Zunftschildeund dergleichen ausgestellt.( Man vergleiche dieverwandten Gegenstände in den Sammlungen desersten Stockwerkes[ Raum VII, XIII- XIV].)