Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Führer durch das Museum für Volkskunde.

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Auch hier besteht ein deutlicher Gegensatz zwischenden Bergbewohnern( Lemken, Bojken und Huzulen)und den Flachländlern wie ähnliches auch vonden Rumänen der Bukowina gilt, die mit denRuthenen in vieler Beziehung eine Kulturgemeinschaftbilden.

Von polnischen Objekten in diesem Raumebeachte man die Trachten und Mäntel, Festkappenim Wandschrank 2. aus der Krakauer Gegend nebstzugehörigen Trachtenbildern an den Wänden, einensogenannten» Polengürtel« aus Seide mit Gold- undSilberfäden durchwirkt, die reich mit Messingzieratversehenen typischen Krakauer Gürtel im Wand-kästchen 8 beim Ofen, die Faschingspuppen» turon<und» koza< für Straßenumzüge aus Podgorce beiKrakau sowie das Marionettentheater am Fenster-pfeiler 11 mit den typischen Figuren von König,Soldat, Tod, Teufel, Jude u. s. W.

Ruthenisch sind die Volkstrachten imWandschrank 2 und 4, die prächtig verzierten Stroh-und Filzhüte sowie die zumeist bodenständigen Stilaufweisenden und nur teils unter westlichem, teilsunter türkischem Einfluß stehenden Stickereien:Hemden 5 und 7 sowie Schmuck- und Handtücher;Gürtel, Tepp che, Taschen in Wirktechnik aus-geführt, nebst allerlei Schmuck, in welchem die Glas-perlen eine große Rolle spielen. Prächtige Perlen-halsbänder und Hutbänder der Ruthenen sind ingroßer Anzahl in fünf Rahmen im anstoßendenGangraume XX ausgestellt.

Modelle ruthenischer Webstühle und Zugehör,nebst Flechtapparate für Hauben und Fäustlingehöchst altertümlicher Art im Mittelkasten 6.

" Ruthenische Arbeiten sind weiterhin die Ton-geschirre aller Art und in mannigfacher Weise,jedoch durchwegs recht primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv verziert, auf demWandgestell in der Saalecke 3 und auf den Schränken;besonders beachtenswert das Graphittongeschirr unddie unglasierte Töpferware mit teilweise sehr alter-tümlichen Formen henkellose Urnen, Doppeltöpfeaus Ostgalizien Eine interessanteSammlung von den Gebirgsruthenen des mittlerenGalizien, den Bojken, im Mittelschrank 6, wozuauch das Modell eines Bojkenwohnhauses beimFenster 10 gehört.

u. S. W.

Zum größten Teil von den Rumänen derBukowina stammen die Holzarbeiten im Mittel-schrank 6, von denen die bemalten Branntwein-flaschen( Cuturas) zu Hochzeiten, die schönen Löffelmit reichen Ziergriffen, die Almgerätschaften vonden Hirtensalaschen-- das Modell einer rumänischenAlmhütte nebenan in XXIII die Hirschrufe,Musikinstrumente u. s. w. Beachtung verdienen.

Außerordentlich ist der Reichtum an bemaltenOstereiern der Polen, Ruthenen und Huzulen( in* Glaskästchen).

RAUM XXIII.

Huzulen( Gebirgsruthenen) in Ostgalizien undder Bukowina.

Unter den Gebirgsruthenen, Lemken, Bojkenund Huzulen, nimmt der letztgenannte Stamm durchseine kulturelle und anthropologische Eigenart undseine reiche volkskünstlerische Begabung eine hervor-ragende Stelle ein.

In ihrer Hauskultur herrscht das Holz alsMaterial: in Pult 1 und 4 verschiedenes hölzernes

Haus- und Küchengerät, sodann Kerbhölzer, Rechen-brett, Block- und Spiegelschachteln, Kerzenleuchterund Meßkreuze nach kirchlichem Vorbild. Die Tafel-bilder von Heiligen mit Nachklängen byzantinischenStils. Unter den Pulten mächtige Holzschlösser fürdie in Holzblockbau ausgeführten und mit festenHolzzäunen umschlossenen Huzulenhäuser.

Durchaus aus selbstgefertigten Stoffen hergestelltund mit Stickereiwerk verziert ist die altertümlicheTracht( Männer- und Weiberkostüme Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberkostüme im Wand-kasten 3). Hochaltertümlich und primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv ist derzugehörige Schmuck aus teilweise byzantinisch be-einflußtem Messingguß( Hirtenarbeit) im Pultaufsatz 2und 5, dabei auch die reich verzierten Schrotbeutel mitMessingdrahtverzierung und die mit Ritzornamentikreich dekorierten Pulverhörner aus Hirschhorn, diezur typischen Männertracht gehören 15). Desgleichenan de Wand 6 die l'eilstöcke der Männer und dieWeiberstöcke Glossar ::: zum Glossareintrag Weiberstöcke( ohne Hackengriff), die in mannig-facher Art reich verziert sind; weiters die mitMessingringelchen oder Messingknöpfen dicht be-setzten Ledertaschen( 7). Im Fensterpult 9 inter-essante gebrannte Tonformen für Gelbguß, Tabak-pfeifen, Messer, Pistolen; ferner verschiedene un-glasierte Kachelbruchstücke des 15-16. Jahr-hundertes, Ausgrabung bei Suczawa.

Im Mittelkasten 10 Bauernmajoliken verschiedenerArt aus Kossow, Kut, Sokal und anderen Bétriebenunter türkischem Einfluß entstanden; besonders be-merkenswert die Arbeiten von Alexander Bachminski.In den Fensternischen zugehörige Kacheln mitfiguralen Szenen bemalt.

IV. Keramische Sammlung.

RAUM XXIV.

Alpenländische Kacheln und sonstigerOfenschmuck.

Die Ofenkachel ist eines der häufigsten undvolkskünstlerisch bedeutungsvollsten Erzeugnisse desHafnergewerbes, das von rohester unglasierter Artungbis zur herrlich farbigen, mit reich verziertemfiguralem Relief geschmückten Bilderkachel aufsteigt.Gleich einem kulturhistorischen Bilderbuche spiegeltdie Ofenverkleidung mit ihren schwarzen, grünenoder bunten Kacheln vom 14.- 19. Jahrhundert denGeistesinhalt und die gesellig- künstlerische Richtungder Zeitläufte wieder.

Die Formentwicklung der Ofenkachel von derTopfkachel zur Bildertafelkachel ist durch die Kachel-reihe auf dem Stufensockel 1 veranschaulicht.Darüber auf dem Wandgestell 2: Bodenfließen ausder Wachau, 14. Jahrhundert, und graphitierte Kachelnmit figuralem Reliefschmuck, 16.- 17. Jahrhundert.Abgüsse nach verschiedenen Kachelmodeln des16. 17. Jahrhundertes, deren sich die Hafner be-dienten, aus den Alpenländern in der Stiegennischelinks 3.

Die große Schauwand 4 zur Rechten vereinigtverschiedene Tafelkacheln( links) aus Niederöster-reich,( in der Mitte) aus Oberösterreich und Steier-mark,( rechts) aus Kärnten und Krain, vorwiegendmit Heiligendarstellungen geschmückt. Zu oberst Öfen-aufsätze und Bekrönungen aus Niederösterreich u. s. w.Wandpfeiler 5 und Kachelwand 6: gothische Nischen-und Bilderkacheln aus Salzburg und Tirol.

ver-

Im Halbstock Kachelwand 7 mitschiedenen Figuren- und Wappenkacheln, zumeist