Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

24

Führer durch das Museum für Volkskunde.

leben als echte Gebirgsbewohner in den Bergländernder Beskiden. Endlich finden sich auch im an-grenzenden Teile Schlesiens nicht unbedeutendetschechische Bevölkerungsteile.

Im Raum XVIII( Pult und 2) ist zahlreicheskleines Haus- und Wirtschaftsgerät der Slowakenund Walachen, darunter zahlreiche Modelle dervorherrschenden Hausindustrien ausgestellt;wiegendes Material ist Holz.

vor-

An den Wänden Trachtenbilder aus Mähren,gezeichnet und lithographiert von Wilhelm Horn.Im Wandkasten( 4) walachische Männer- undWeibertrachten Glossar ::: zum Glossareintrag Weibertrachten.

RAUM XIX.

Die Volk strachten, die ehedem in allentschecho- slowakischen Ländern sich derüppigsten Ausbildung erfreuten, kommen wie überallmehr und mehr ab. In Böhmen sind nur mehr in ganzwenig Landschaften Reste einer wirklichen Volkstrachtvorhanden, so bei den Choden in Westböhmen,dagegen ist in Mähren die Volkstracht noch lebendig;besonders bei den Slowaken, wo sich zahlreichelokale Verschiedenheiten derselben entwickelt haben.Man beachte im Schrank 1 und 5 die buntereslowakische Tracht im Gegensatz zur hannakischen( 8)und der viel einförmigeren walachischen, die beiMädchen und Burschen besonders durch reicheStickereien an Hemd, Weste, Rock, Beinkleidern,Kragen, Schürze, Umschlag- und Kopftuch aus-gezeichnet ist.

Ein bemerkenswerter nationaler Schatz liegtbei den Tschecho- Slowaken in der hohen und reichenvolkskünstlerischen Entwicklung der textilenFrauenkünste vor. Ihre Stickereien, Spitzen,Netz- und Durchbrucharbeiten sind in Technik,Farbenwahl und Ornamentik von hervorragendemInteresse. Typenbeispiele aus den vorhandenen reichenSammlungen sind in den Glasrahmen an den Wändenvon XVIII und XIX und im anstoßenden Gange XXausgestellt für näheres Studium der gesamtenSammlung Meldung bei der Direktion erforderlich).Hauben und Brautkronen aus Mähren und Böhmenin den Glaskästen( 2 und 3).

An den Wänden: Trachtenbilder, primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiveHinterglasmalereien und Holzskulpturen von denSlawen besonders verehrter verschiedener Heiligen,darunter des heiligen Wenzel, Nepomuk, Method.Im Glaskasten( 10) und auf dem Wandgestell( 9)sind die verbreitetsten Typen der reich entwickeltenmährischen und böhmischen Keramikausgestellt( beginnend mit den mittelalterlichenFormen). Im Glaskasten 10: Kleiner Hausrat, bunt-bemalte Kinderspielsachen, Wahrsagekarten.

Religiöse Volkskunst, Wachsvotive im Glas-kåsten 11, bemerkenswert der beingeschnitzte Haus-altar aus dem 17. Jahrhundert, die Vorsatzstücke fürBienenstöcke, Heiligen- Geisttauben aus Holzspänen,Gebetbücher, miniert und mit getriebenem Metall-deckel nach Art der romanischen Evangeliare verziert.Im Glaskasten 12: Krippenfiguren aus Tschechisch-Schlesien; Heiligenfiguren und Kruzifixe, zumeisthausgewerbliches Erzeugnis aus dem Böhmerwaldgau;slowakische Bauernhochzeit.

Im Wandschrank 6 Volksaberglauben: Puppenfür Vegetationszauber Smrtolka und» Čaramura<<;Ziegenfigur für Faschingsumzüge; Fliegenhimmel,

Tritonsmuschel zum Anblasen der Gewitterwolken.Ferner Pravo- Stöcke der Burschen, Rechtssymbole.In der Mitte des Raumes:» Pravo< Schwert inreicher Flitterhülle, Umgebung von Lundenburg.

GANGRAUM XX.

Proben der hervorragenden Stickereikünsteder tschecho- slawischen Frauenwelt Man be-achte die herrlichen Brautkopftücher in reichsterDurchbrucharbeit aus der Pilsner Gegend, nebstzugehörigen Schürzen; ferner an der Fensterwanddie reichgestickten Kopftuch-( Šatka«-) Enden derslowakischen Mädchen, Krägen für Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber- undMännerhemden der Slowaken, Haubendeckel undHemdbesätze u. dgl. m.- Auch aus den deutschen ·Böhmerwaldgebieten und dem Egerlandeist eine Anzahl hausindustrieller Spitzen und inSeide gestickter Aermelbesätze ausgestellt.

III. Karpathenländer.

RAUM XXI.

Polen in Ostschlesien und West-galizien.

Ihre Ausbreitung beginnt im Teschener KreisOstschlesiens und erstreckt sich mit mächtigensüdlichen Ausläufern in die Karpathen hinein gegenOsten über Mittelgalizien bis zum Sanfluß. Auch inOstgalizien bilden sie einen beträchtlichen Teil derBevölkerung. Kulturell nehmen sie eine Uebergangs-und Mittelstellung zwischen westlicher und östlicherKulturform ein. Deutlich tritt der Gegensatz derFlachland- und. Gebirgsbevölkerung hervor( Goralen.und Masuren).

Die hier noch lebendige Volkstracht ist durchdie Kostüme eines Jazygen von Jablunkau, diepolnische Weibertracht Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibertracht des Teschener Kreises( 5),eines beskidischen Goralen und die Männertrachtvon Zakopane( 3) vertreten. Der dazugehörige Volks-schmuck, namentlich die silbernen Besatzstücke derJazygentracht im Wandkasten 4. Die Hackenstöckeder Goralen siehe Wand 1. Der eigenartige Zakopane-stil an Holzschnitzarbeiten( Milchgefäßen, Löffel-brettern, Modeln, Käseformen, Holzkassetten unddergleichen) sich äußernd in Wandschrank 7 undFensternische 6.

Ostschlesische eigenartige Töpfereien, besondersmit dunkelbrauner Glasur verziert, oben im Wand-schrank 7. Hausindustrielle Salzschnitzwerke vonWieliczka im Wandkasten 4. Zahlreiche religiöseBildwerke( im primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven, doch eigenartigen Stil), imKasten 4 und rings an den Wänden sowie Hinter-.glasmalereien sind Zeugnisse der ausgeprägtenpolnischen Religiosität.

SAAL XXII.

Polen, Ruthenen in Galizien und Rumänenin der Bukowina.

Das östliche Galizien sowie der nordwestlicheTeil der Bukowina wird vorwiegend von demruthenischen Volksstamme eingenommen, der außer-dem mit seiner Hauptmasse im nordöstlichen Ungarnund besonders im Kleinrußland( Ukraine) seine aus-gebreiteten Sitze hat. Die Ruthenen stehen durchKultur und Religion durchaus mit dem byzantinischen,osteuropäischen Kulturgebiete im Zusammenhang..