Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
26 (1920) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Führer durch das Museum für Volkskunde.

Die Trachtenbilder an den Wänden sind alsZeugnisse für die Geschichte der Volkstrachten vonWert und Bedeutung. Man beachte auch den Volks-schmuck in den Pulten 10, 13, zumeist in Silber undin Filigrantechnik gearbeitet, vielfach in Formendes 18. Jahrhundertes gearbeitet, die mannigfaltigenKämme der Frauen aus Holz, Horn oder Metall, 11,die Haarnadeln und Haarpfeile( Saal III), ferner diemannigfaltigen Textilarbeiten der Frauen( Stickereienfür Haus und Kirche, Haubenbänder, gestickteBusentüchlein u. s. w.) 12 und 14.

SAAL III.

Volks-

Volk strachten aus Südtirol.schauspielfiguren aus Salzburg und Tirol.

Verschiedene farbenbunte Trachten aus demPustertale, der Bozener und Meraner Gegend undden Dolomiten in den Wandschränken 3, 6, 7. Imkleinen Mittelschrank 11 eine Sammlung von Haubenund Hüten nebst Braut- und Totenkronen. Reicherbunter Braut und Hochzeitsschmuck aus Salzburgund Tirol im vorderen Fensterpult 8. In dengrößeren Mittelschränken 10, 12 Figurinen vonVolksschauspieltypen: den Tresterertänzern<< vonKrimml in Pinzgau, den» Zottlern oder> Huttlern<<vom Huttlerlaufen aus der Haller Gegend, wozuauch die sogenannten» Altartuxer<, mit dem reichenschweren Blumenkopfputz gehören; die betreffendenUmzüge und Tänze haben halbkultlichen Hinter-grund und wurzeln noch in altheidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  altheidnischen An-schauungen und Bräuchen( Schlagen mit der» Lebens-rute<).

Bemerkenswert auch die typische, schon fastverschwundene Gestalt des Meraner» Saltner( Wein-hüters), ferner die Bastregenmäntel der Hirten,uralte primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Kleidungsbehelfe, noch aus demMittelalter stammend. Die Trachtenbilder an denWänden 1, 2, 5 ergänzen wesentlich die Kostüm-sammlung; man vergleiche besonders die Faschings-figuren aus bemaltem Papier an der Eintrittswandrechts 2.

RAUM IV.

Sammlung von Volksschauspielmasken.Votiv und Wallfahrtswesen.

Volksmedizin.

Allerlei Aberglauben.

Zur Aufführung der besonders im Salzburgischen( Pinzgau) und Tirol verbreiteten Volksschauspieledienten und dienen zum Teil noch immer aus Holzgeschnitzte und bemalte Larven, 1, 3, 5, 7, echteErzeugnisse der primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Volkskunst. Die Volks-schauspiele sind doppelter Art: geistliche und welt-liche. Erstere, aus den geistlichen Spielen des aus-gehenden Mittelalters hervorgegangen, haben sichzum Paradeisspiel, dem Passionsspiel, Frohnleichnams-spiel, Weihnachts- und Dreikönigsspiel entwickelt;letztere entwickelten sich zumeist aus dem alt-hergebrachten Faschingstreiben( Faschingspiele:Perchtenlaufen in Salzburg, Huttlerlaufen in Rum,Schemenlaufen in Imst) oder sind selbständigenCharakters( Hexenspiel, Sommer und Winter, dievier Landstände). Zu ihrer Aufführung gehören vorallem die traditionellen charakteristischen Larvender wichtigsten Figuren. Es ist sehr schwer, infolge

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der Geringschätzung, welche bis vor kurzem dieserArt von Volksbelustigung, die ihre tiefsten Wurzelnnoch in heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Anschauungen hat, entgegen-gebracht wurde, einen vollständigen Satz von zu-sammengehörigen Masken beisammen zu finden. Amhervorstechendsten und eigenartigsten sind unterallen Volksmasken neben den großen altertümlichenTiermasken des 16. Jahrhundertes die Perchten-masken, die Teufels- und Bajazzomasken, wie sieunsere Sammlung zumeist enthält. Sie entstammendem 18. und 19. Jahrhundert. Zum Volkskultgehört auch das im ganzen katholischen Südwest-deutschland ehedem stark verbreitete volkstümlicheWallfahrts- und Votiv wesen, das besondersseit der Zeit der Gegenreformation von der Kirchebegünstigt wurde. Man beachte die sogenanntenOrgan votive in Pult 4, 6, 8, das heißt, Nach-bildungen erkrankter menschlicher Körperteile in Eisen,Holz und Wachs( letzeres Material zuletzt am häufigstengeworden), sodann die Votiv tafeln gegenKrankheit oder nach Errettung aus Unglücksfällenin Wallfahrtskirchen und Kapellen aufgeopfert; dieeisernen, fast prähistorisch geformten Tier-figuren( 4) aus Niederösterreich, Steiermark,Kärnten und Tirol gegen Viehkrankheit besondersdem heiligen Leonhard, Oswald oder Wendelin auf-geopfert, die Johannisschüsseln und Johannisköpfegegen Kopfkrankheit auf dem Haupte um den Altargetragen, die Bärmuttern( Stachelkugeln) aus Süd-tirol gegen Frauenkrankheiten.

Mancherlei volksmedizinische Behelfein den Pulten 4: Einkeilungen von Krankheitsstoffen,Fraisenketten, Fraisenhemdchen und-Hauben,Nepomukzunge, Wolfganghackel, Schrecksteine unddergleichen, abergläubische Mittel gegen Krankheiten,besonders nervöser Art( 2). Hieran schließt sichdas vielfach ausgebildete Amulettwesen unddergleichen mehr. Fast alle diese Kultsachen und dieihnen zugrunde liegenden Vorstellungen sind ausdem römisch griechischen oder heidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnisch- ger-manischen Altertum in die christliche Sphäre über-nommen und zumeist durch die Klöster und dieBettelmönche dem Volke zugebracht worden.

RAUM V.

Religiöse Volkskunst aus den Alpenländern.

Verschiedene Beispiele bäuerlicher Altäreaus Haus- und Wegkapellen( 1-3); Bildkästchenmit Wachsfigurenszenen( 2-3).Zahlreiche

Heiligenfiguren des 16.- 19. Jahrhundertes,zumeist Werke volksmäßiger Schnitzer( Mutter-gottes aus Gröden), von rohester Ausführung biszur künstlerischen Vollendung gesteigert( Cruci-fixus[ 4] des Johann Kieninger). Die populärstenHeiligen St. Johann, St. Veit, St. Leonhard, St. Anton,die Muttergottes, Mutter Anna Selbdritt sowie dieDreifaltigkeitsdarstellungen, darunter kirchlich ver-botene mit dem Dreigesicht, sind am häufigstenvertreten. In kunstvoller Hafnerarbeit ausgeführtdie bemalte, große Muttergottesstatue in der Nische 7beim Eingang. Daselbst zahlreiche Votivbilder ausWallfahr skirchen und Kapellen mit Darstellung vonglücklich abgewendeten Unglücksfällen, Kranken intypischer Ausführung. Dieselben sind vielfach auchtrachtengeschichtlich von Interesse( 6-7).