fältig erstellter, mit der nötigen wissenschaftlichen Literatur versehenerKatalog gehört im Österreichischen Museum für Volkskunde so sehrdazu, daß es sich wirklich lohnt, ihn zu erstehen und daheim in Reihund Glied aufgestellt zu bewahren und sich zu freuen über ein werden-des Kompendium immer neuen Schauens und Erlebens in der Laudon-gasse.Leopold Kretzenbacher
Rudolf Fochler, Von Neujahr bis Silvester. Volkstümliche Ter-mine in Oberösterreich. 252 Seiten, mit 44 Abb. und 13 Zeichnungen.Linz 1971, Oberösterreichischer Landesverlag, S 80,-.
Der Volkskundereferent des Studios Oberösterreich des Österreichi-schen Rundfunks hat hier ein Handbüchlein vorgelegt, das ein Brauch-tumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag tumskalender der Gegenwart sein will. Kein Buch der Forschung etwa,sondern eines der unbefangenen Aufnahme, das also nicht nur die in denalten Brauchtumsbüchern Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsbüchern enthaltenen Feste und Festbräuche enthält,sondern unbekümmert feststellt, daß auch das„ Anpaddeln“ der Rudereroder das Preisschnapsen, der„ Tag des Kindes" und der„ Christbaum füralle" einmal in diesem Zusammenhang genannt werden müssen. Was vonälteren Terminen noch bekannt ist, Ehafttag und Antlaẞsingen, Floriani-tag und Mittsommerfeuer, das wird durchaus auch genannt. Vielleichtsind diese Kapitelchen die schwächeren, weil sie doch manche veralteteInterpretation mitschleppen. Aber Fochler ist ganz offensichtlich darangelegen, den„ Tag des Brotes" und die„ Almsingwoche" neben die altenFeste zu stellen. Man fühlt sich ein bißchen an den angeblichen Aus-spruch der Kinder der alten Wandervogel- Generation nach dem erstenWeltkrieg erinnert: Fragte man diese Kinder, die schon damals gern zuden Tagungen mitgenommen wurden, nach den drei großen Festen imJahr, dann soll man zur Antwort bekommen haben: ,, Weihnachten,Ostern und- Bundestag."
Fochler hat sich bemüht, bei manchen Festen und Bräuchen ihrAlter festzustellen, oder wenigstens anzugeben, wann sie beiläufig einge-führt worden sein könnten. Man darf annehmen, daß eine neuereBrauchforschung sich gerade damit näher beschäftigen wird. KünftigeDissertanten werden also etwa den Satz, S. 199,„ Seit etwa 1950 wird inLinz der uralte schwedische Brauch eines Lucia- Festes geübt usw." auf-merksam lesen und entsprechend interpretieren müssen. Für die Brauch-forschung im Zeitalter des weltweiten Verkehrs, der Urbanisation wiedes Folklorismus ergeben sich jedenfalls Arbeitsmöglichkeiten. Ob derAufwand die Mühe lohnen wird, läßt sich vorläufig noch nicht aus-machen.
Einstweilen aber sollten wir der Unbefangenheit des Rundfunkrefe-renten Fochler dankbar sein, daß er eine solche Provinzial- Zusammen-stellung geleistet hat. Er hat sich bemüht, nicht nur Texte, sondern auchBilder zu seinen Aufschreibungen zusammenzutragen. Auch da kannman altes, wohlbekanntes Brauchkunstgut neben den Erzeugnissen derHeimatwerke usw. dicht nebeneinander sehen. Aber wieviel mehr mußeigentlich vorhanden sein! Was müssen die Bildarchive von Rundfunkund Fernsehen an derartigen Dingen nicht alles besitzen. Wenn mandiese Bestände der zukünftigen Brauchforschung zugänglich machenkönnte, wäre wohl wirklich etwas Nützliches getan. Nun, vielleicht bahntFochlers Buch einen Weg auch in diese Richtung.
Leopold Schmidt
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