die Brüst, die du gesogen hast. Lukas 11. Kap. Vers 27". Mir ist bis-her kein zweites Vorkommen der Maria lactans als Almpatroninbekannt geworden, obwohl die Assoziation der milchspendendenGottesmutter mit dem Almertrag sehr nahe liegt 39).
Damit habe ich auch das„ Seelgerät“, nicht im üblichen Sinneals Opfergabe für die abgeschiedene Seele, sondern im übertragenenSinne als notwendiges Glaubensinstrument für den auf der Almarbeitenden Menschen gestreift. Man könnte zum Brauch- undKultgerät vielleicht noch die Gegenstände der Viehmaskierungzählen, also die Spiegel, Hirnperchteln, Furkeln, Grössinge, Horn-stutzen usw., die dem Weidevieh auf dem Weg von der Alm ins TalSchutz verleihen sollen. Man wird überhaupt noch so manchesGerät in das von mir keineswegs vollständig ausgearbeitete Mate-rial einordnen und vielleicht auch noch andere Einteilungsprinzi-pien finden können. Man wird aber zugeben, daß die Sammlungund Aufarbeitung dieses verschwindenden Materials eine wichtigeAufgabe der volkskundlichen Geräteforschung ist. Ihre Bedeutungmag die Länge meiner Ausführungen entschuldigen, die ich nichtbesser abschließen kann, als es Karl Ehrenbert Freiherr von Mollin einem Brief im Jahre 1784 aus dem Zillertal tat:„ Kennte ichSie nicht als einen warmen Freund der Landwirtschaft, so würdeich fürchten, mit diesem unmäßig langen ökonomischen BerichtIhnen üble Laune zu machen: aber die ökonomie auf den Almenist so verschieden von der auf dem platten Lande und es ist hierüberhaupt für einen Freund der Landwirtschaft so viel angeneh-mes, so viel reizendes, daß ich beinahe glaube, Sie dürften dieseBeschreibung ebenso gern lesen, als ich durch sorgfältiges Beob-achten und recht zudringliches Fragen an trüben Tagen sowohl,als bei einigen folgenden Alpenreisen die Materialien dazu gesam-melt habe." 40)
39) Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch,Wien 1955-1958, und: Das kleine Andachtsbild in den österr. Gnaden-stätten in Darstellung, Verbreitung und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, Wien 1950, sowieHans Aurenhammer, Die Mariengnadenbilder Wiens und Nieder-österreichs in der Barockzeit, haben keine Belege für die Verehrung derMaria lactans als Almpatronin.
40) K. E. v. Moll, a. a. O., Bd. II, Brief vom 2. Februar 1784 anSchrank.
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