aufgezeichnet von Helga Thiel
Dieser Abhandlung liegt ein Protokoll über das Jahresbrauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum in Erlaufboden, das ich zu Ostern 1966 aufgenommen und am22. November 1969 ergänzt habe, zugrunde. Als Gewährsleute stan-den zur Verfügung: Leopold Schmied( geb. 1894, bereits verstor-ben), ehemals Angestellter der NEWAG, Josef Wutzl( geb. 1921)aus Trübenbach, Forstarbeiter, Margarete Wutzl( geb. 1927), Land-wirtin, Frau Wutzl( geschätztes Alter: zwischen 45 und 50 Jahren),Landwirtin.
Erlaufboden, eine kirchenlose Ortschaft, die zur GemeindeMitterbach gehört, liegt an den Grenzen von Puchenstuben, Wiener-bruck, Annaberg und Mitterbach. 1923 erbaute dort die NEWAGein Laufkraftwerk, das den Erlaufbodenern neue Arbeitsmöglich-keiten bot; ansonsten waren die meisten in der Forstwirtschafttätig. Eines erscheint erwähnenswert: Obwohl nun das Kraftwerkseit 46 Jahren besteht, leiten sich jetzt erst die Leute, die in Rich-tung Trübenbach, der Nachbarortschaft Erlaufbodens, die gleich-falls keine Kirche besitzt, wohnen, das elektrische Licht ein.
Dieses Gebiet Niederösterreichs mit seinen Anteilen an derniederösterreichisch- steirischen Kalkalpenzone und den dichtenBergwäldern ist bezüglich seiner Volkskultur enger mit den innerenAlpenländern verbunden, in erster Linie mit der Steiermark unddem Salzkammergut ¹).
Während der Reformation siedelten sich protestantische Holz-arbeiter aus Goisern und Gosau in Erlaufboden und Trübenbachan. Sie hießen: Gamsjager, Spielpichler, Digruber, Sommerer...Diese Namen haben sich bis in die Gegenwart erhalten. Die Ein-heimischen nannten jene eingewanderten, Salzburger' die, Stier-wascher'. Heute leben noch Protestanten und Katholiken in Erlauf-boden nebeneinander. Die für die Katholischen zuständige Kircheist jene von Annaberg, die nächste protestantische Kirche liegt inMitterbach. 1966 zählte Erlaufboden 50 katholische und 75 evan-gelische Seelen.
¹) Leopold Schmidt, Volkskunde von Niederösterreich, 1. Bd.,Wien, 1966, S. 247.
132