bar Möbel, Gebrauchskeramik und anderes ziemlich stark bestimmt. Aufdem Gebiet von Brauchtracht und-schmuck herrscht soviel späte, volks-barocke Wucherung, daß sich das Verhältnis von älterem Eigengut undfrühem Folklorismus vermutlich nur bei örtlichen Detailstudien fest-stellen ließe. Sehr sachkundig hat sich über alle diese Dinge vor langemschon Karl Brunner( Ostdeutsche Volkskunde, Leipzig 1925, S. 61 ff.u. ö.) geäußert, der leider von Nedo nicht einmal zitiert wird.
Das Buch, das in vieler Hinsicht gut gemacht erscheint, leidet anseiner starken Zeitbezogenheit, wenn man Nedos völlig einseitige politi-sche Einstellung einmal so bezeichnen darf. Die vielen von Ressentimenterfüllten Stellen legen davon immer wieder Zeugnis ab. Wenn voneinem markanten Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Jahresbrauchtum wie dem Osterreiten die Rede ist,dann lautet der Text so:„ Dieser österliche Brauch wird heute noch inden katholischen Parochien der Lausitz geübt. Seine Wurzeln liegen invorchristlichen Flurumgängen im Frühling, die wir über weite Gebietehin in mannigfachen Varianten kennen. Im Mittelalter bemächtigte sichdie Kirche des Brauches. Nach der Reformation wurde er in den prote-stantisch gewordenen Dörfern als papistisch' verpönt und verboten.Heute ist daraus ein Brauch unter völlig kirchlichem Vorzeichen ge-worden"( S. 167). Wenn das Populär- Volkskundler vor achtzig Jahrengeschrieben hätten, mit„ vorchristlich"“ und„ Kirche bemächtigte sich...und„ verpönt und verboten“ und„ völlig kirchlichem Vorzeichen", dannhätte es nicht anders klingen können. Alles in allem: Das ist nicht dieSprache der deutschen Wissenschaft unserer Zeit.
Leopold Schmidt
Journal of the Folklore Institute. Bd. V, Nr. 2/3. Edited by the Fellowsof the Folklore Institute, Indiana University. 150 Seiten. Den Haag,Mouton& Co, 1968. Gulden 8,80.
Vor einigen Jahren mußte bei der Besprechung eines Buches vonRichard Dorson darauf hingewiesen werden, wie gering doch derStand des Wissens um die Volkskunde in den deutschsprachigen Län-dern in Amerika sein müsse. Dieser Vorwurf hat wohl unter anderembewirkt, daß Dorson dann Robert Wildhaber gebeten hat, ein Heftder Hauszeitschrift des Folklore Institutes der Indiana University gast-weise zu redigieren und durch Autoren aus Deutschland, Österreich undder Schweiz selbst den Forschungsstand darstellen zu lassen. Das seit1965 vorbereitete Heft ist nun endlich erschienen, und gibt immerhin einrecht ansehnliches Spiegelbild unserer Arbeit ab. Wir zählen hier dieBeiträge nur einfach auf: Walter Hävernick, The Hamburg Schoolof Folklore Research; Hermann Bausinger, Folklore Research atthe University of Tübingen: On the Activities of the Ludwig- Uhland-Institute; Gerhard Heilfurth, The Institute für mitteleuropäischeVolksforschung at the University of Marburg; Hermann Balt, Folk-lore Research and Legal History in the German Language Area; ElfriedeGrabner, The History of Research in Folk Medicine in German-Speaking Countries; Wolfgang Brückner, Popular Piety in CentralEurope; Elfriede Moser- Rath, Literature and Folk Tradition:Sources for Folk Narrative of the Seventeenth and Eighteenth Centuries;Günter Wiegelmann, The Atlas der deutschen Volkskunde and theGeographical Research Method; Rolf Wilhelm Brednich,Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg im Breisgau und German Folk-song Research; Gerhard Lutz, The Georg- August University Seminarfür Volkskunde, Göttingen, Germany; Klaus Beitl, Folklore Studies
Das
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