Komik, die vom Gesichtspunkt des heutigen Beschauers aus betrachtetsogar an Karikatur angrenzt, jene Naivität, Primitivität Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivität und Ursprüng-lichkeit, an die sich ein weiterer Zweig der bildenden Kunst anlehntdie Kunst der sogenannten Naiven. Eben dieser Prinzipien halber müssenwir von Kunst und künstlerischem Schaffen reden, denn die angeführtenAbsichten werden am Werke augenfällig, spiegeln sich darin und wirkenanregend auf den Beschauer, um ihn fühlen und verstehen zu lassen, wasihm der Künstler vorlegt und was er seinem Werke einverleibt hat.
Das Material ist vorwiegend Holz. Deswegen wird die Volksplastikmeistens der Holzschnitzerei gleichgesetzt. Es handelte sich in erster Linieum das leicht bearbeitbare Lindenholz, aber auch Wurzeln, in der Artphantastisch geformter Wurzelstöcke, wurden nicht ausgenommen.
Ton gehörte zu den weniger zugänglichen Materialien, weil er dasBrennen in einer speziell dazu dienenden Einrichtung, dem keramischenOfen, verlangte. Tonplastiken, die auf zauberhafte Weise die Formenund Rundungen der Töpfe beibehalten, wurden hauptsächlich von Töpferngeschaffen, und zwar als unbedeutendes Nebenerzeugnis, eher für denHausgebrauch als zum Verkauf bestimmt.
Glasplastiken hingegen wurden in Glashütten durch Blasen in For-men, als sogenanntes Amalgamglas, hergestellt. Es handelt sich um kleinePlastiken Heiliger, die durch ihr Aussehen interessant wirken, aberkünstlerisch ganz ausdrucksarm sind. In die Sphäre der Volkskunst ge-hören sie eher durch ihren Bestimmungszweck, nämlich den Bedürfnissender Landbevölkerung zu dienen. Wachsplastiken unter Glocken aus Glasoder ähnlichem Material sind eine städtische Angelegenheit und wurdenvon Meistern der Wachszieherzunft erzeugt. Volkserzeugnisse aus Wachswaren jedoch die Wallfahrtsopfer winzige Plastiken von Tieren undGliedmaßen, die als Votivopfer Gesundung bringen sollten. Eine ähn-liche Aufgabe hatten die eisernen Kühe, kleine aus Eisen geschmiedeteTiere, die fast bis ans Ende des achtzehnten Jahrhunderts erzeugt wur-den.
_
Weihnachts-
Eine besondere Gruppe bilden kleine Volksplastikenkrippen und Spielzeug. Künstlerisch geformtes Spielzeug ist verhältnis-mäßig selten. Die Kinder begnügten sich meistens mit einem abgebro-chenen Topfhenkel, einem Kochlöffel oder einer Schachtel. Das weiterebesorgte schon die kindliche Einbildungskraft. Es existiert jedoch Spiel-zeug, das der Vater oder Großvater für das Kind schnitzt, oder das vonHandwerkern, ähnlich wie die Votivstatuen der Heiligen, erzeugt und aufJahrmärkten und Kirchweihen verkauft wurden. Bekannte Mittelpunkteder Spielwarenerzeugung sind nicht nur in Westböhmen, in der Gegendvon Klattau, sondern auch bei uns in Südböhmen, z. B. in Krouná.
Weihnachtskrippen wurden im Süden meist aus Holz geschnitzt,anderswo wurde Brotmasse, Papiermaché, in Südostböhmen, einem altenMittelpunkt der Textilindustrie, auch Textil mitverwendet. Es ist keines-falls übertrieben zu behaupten, daß es sich hier um die intimsten,wärmsten und dem menschlichen Herzen am nähesten liegenden Kunst-werke dieser Art handelt.
Die Volksplastik, die Häufigkeit ihres Vorkommens, ihr Reichtumund ihre künstlerische Verzweigung bestätigen die bedeutungsvolleRolle, die sie im Leben der Landbevölkerung spielte. Sie hilft uns, dieschwere Zeit der sozialen Unterdrückung, der Landbevölkerung, dasillusorische Warten auf das Heil, auf eine Verbesserung der Zustände mitHilfe übernatürlicher Kräfte der Schutzheiligen, besser kennen zu lernen.Andererseits vermittelt sie uns auch den festen unerschütterlichen Glau-
50