darstellungen des frühen Mittelalters über deren Entwicklung im deutsch-sprachigen und vor allem im Alpenraum, wo Tirol, Salzburg, das Inn-viertel und später auch Steiermark schon vor längerer Zeit Zentren derKrippenaufstellung und der Krippenfigurenanfertigung wurden. Mandürfe in der Krippe bzw. dem„ Weihnachtsberg" nicht nur ein religiösesMoment sehen, sondern müsse diese auch vom Volkskundlichen her wür-digen. Dafür spreche vor allem die Ausgestaltung der vielen Krippenbäuerlicher Herkunft oder jener aus Bergmannsbesitz. Die letzterenkönnten in der realen Wiedergabe des Zustandes der Bergbaue zur Zeitihrer Anfertigung als kleine technische Denkmale gewertet werden. Diezu beobachtende Renaissance der Krippenaufstellung in vielen Familiengleich welchen religiösen Bekenntnisses, und zwar auch in jenen, die sichden fortschrittlichen Kreisen zurechnen, lasse erkennen, daß diese denindividuellen Vorstellungen von Innigkeit, Lebensbejahung und Zu-kunftshoffen bildmäßig weit mehr gerecht werden könne als der erst imvorigen Jahrhundert bei_uns heimisch gewordene Weihnachtsbaum.Dieser habe durch seine Einbeziehung in das kommerzielle Leben anInhalt verloren wie der Nikolo und der Weihnachtsmann.
Eine Führung durch das mit viel Umsicht, Geschmack und Liebegestaltete Museum ließ erneut erkennen, daß für dessen Betreuer EgonMachaczek die Weihnachtskrippe in ihrer vielfältigen Form ein beson-deres Anliegen bedeutet. Ihm gebührt mit Recht der Dank der Eisenerzer.
In dem Museum sind derzeit 32 Exponate ausgestellt. Sie stammenvor allem aus dem Raum zwischen Eisenerz und Altenmarkt. Es sindbesonders schöne Stücke darunter, die nicht leicht anderwärts zu findensein dürften. Neben Wachsfigurenkrippen des 19. Jahrhunderts, Christ-kindlschreinen und Tendler'schen Papierfigurenkrippen stehen Weih-nachtsberge mit allem jenem Beiwerk, wie es die bäuerliche und diebergmännische Bevölkerung liebte. Es ist eine Augenpracht. Zwei Vitrinenmit modernen Krippen vermitteln den Anschluß an die Jetztzeit.
Eine ausgesprochene Industriesiedlung hat durch die Eröffnung desKrippenmuseums bewiesen, daß gerade in der werktätigen Bevölkerungder Gedanke des Humanitären besonders lebendig ist und sie der Be-wahrung aus dem Volk heraus gewachsenen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums echte Aner-kennung zollt.Hans Pien n, Leoben
Komplexe Ausstellung südböhmischer Volksplastik
Ein Bericht( Mit 1 Abbildung)
Die ethnographischen Arbeitsstellen der südböhmischen Regional-museen in Soběslav, České Budějovice( Budweis) und Jindřichův Hradec( Neuhaus) haben für das zweite und dritte Quartal des Jahres 1968 einekomplexe Ausstellung südböhmischer Volksplastik zusammengestellt, zuder außer den obgenannten Institutionen auch einige weitere, bedeu-tendere Museen beitrugen, darunter in erster Linie das Museum inPísek 1).
Die südböhmische Volksplastik stellt in künstlerischer und ethno-graphischer Hinsicht einen äußerst wertvollen, zahlenmäßig sehr ansehn-lichen und besonders beachtenswerten Bestandteil, sowohl der musealen,als auch der privaten Sammlungen dar.
1) Die Ausstellung fand in der Zeit vom 31. März bis 20. Mai 1968 imMuseum von Neuhaus statt und wanderte dann nach Budweis und nachSobeslav.
47