Jahrgang 
72 (1969) / N.S. 23
Einzelbild herunterladen
 
  

wurden. Zu Leonhardi ging auch alljährlich eine Schmiede- Wall-fahrt dorthin. Möglicherweise hängen sogar diese Opfer mit denSchmieden zusammen. Vielleicht waren sie auch ihre Hersteller*).Wahrscheinlich war diese Kirche aber auch irgendwie von einerKette gegürtet, denn nach der Pfarrchronik ist von einer Kette dieRede, an die Geisteskranke zwecks Heilung gekettet wurden 8).Beides, die Kette und die Eisenopfertiere haben sich an dieserGnadenstätte nicht erhalten. Dafür aber konnten nicht unweitdavon, im Städtischen Museum Waidhofen a. d. Ybbs, vier Eisen-opfer im Saal für religiöse Kunst und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum festgestellt wer-den, deren Herkunft bisher noch nicht zu klären war 9). Es handeltsich um zwei plastisch gearbeitete eiserne Hände und zwei Rinder.Das eine Rind ist unbestimmbaren Geschlechts, seine Gesamtlängebeträgt 15 cm, die Höhe in der Körpermitte 4,8 cm. Die Breite, diedurch das vordere Beinpaar gebildet wird, mißt 3,5 cm und derAbstand der hinteren Beine zueinander 3 cm. Die Rumpflänge deslanggestreckten Körpers zwischen Ansatz der Vorder- und Hinter-beine ist 7,9 cm. Der Körper besteht aus einem im Querschnittrechteckigen Kanteisen mit den Maßen 1,5 X 1 cm, dessen Kantenetwas abgeschrägt sind; Kopf und Schwanz wurden direkt aus demKörperstück herausgeschmiedet. Den Kopf bildet eine einfache,schräg nach unten gebogene Verlängerung des Körpers mit jeeinem kreisrunden eingeschlagenen Auge zu beiden Seiten undeinem langen, seitlich eingekerbten Maulspalt. Auf diesen leichtgesenkten Kopf sind schräg nach oben aufgebogene Hörner auf-gesetzt, die einen schönen Bogen bilden. Ihr Querschnitt ist rund,ihre Spannweite beträgt 4,3 cm. Sie sind also nicht allzu mächtig.Der Schwanz bildet in seinem oberen Teil einen etwas nach obenverlaufenden Bogen, unten zu wird er breiter und deutet hier wohleine Schwanzquaste an. Von dort mißt der Abstand zum Bodenhin 0,9 cm. Die Beine sind in den Rumpfteil eingesetzt und sehreinfach. Ihr Querschnitt ist kreisrund, die Hufe sind durch um-gebogene Beinenden gestaltet. Im gesamten gesehen haben wirein gestrecktes und im Vergleich zu seiner Länge sehr niedrigesund schmales Tier ohne gute Proportionen vor uns. Ihre Gesamt-länge mit 13 cm und die Höhe in der Körpermitte 5,5 cm. Die

7) Vgl. Ernst Meyer, Geschichte des Marktes Ybbsitz, Steyr 1913.8) Freundliche Mitteilung von Herrn Univ.- Ass. Dr. Helmut Fiel-hauer, Wien. Vgl. Rudolf Hindringer, Weiheross und Rossweihe.Eine religionsgeschichtlich- volkskundliche Darstellung der Umritte,Pferdesegnungen und Leonhardifahrten im germanischen Kulturkreis,München 1932, S. 148; vgl. Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstättenin Kult und Brauch, Bd. 2( N.-O. und Bgld.), Wien 1955, S. 172.

9) Freundliche Mitteilung der Beschreibung von Prof. Dr. F. Gum-pinger, Waidhofen a. d. Ybbs.

1%

3