Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Helene Grünn, Faßbinder, Faßboden. Handwerk und Kunst(= Nie-derösterreichische Volkskunde Bd. 3). 168 Seiten, 82 Abb. auf Tafeln.Wien 1968, Manutius- Presse Wulf Stratowa.

Die Volkskundliche Arbeitsgemeinschaft des NiederösterreichischenBildungs- und Heimatwerkes gibt seit 1960 eine eigene Schriftenreihe,, Niederösterreichische Volkskunde heraus. Damals, 1960, erschien alserster Band das Buch von Helene Grünn über Die Pecher. Volks-kunde aus dem Lebenskreis des Waldes". Dann konnte 1966 die Doktor-arbeit der leider frühzeitig durch einen Autounfall aus dem Leben ge-schiedenen Luise Wache die Täuflingstrachten in Österreich" heraus-gebracht werden. Jetzt hat Helene Grünn den 3. Band der Serie vor-gelegt, eine Monographie der Volkskunst der Faßbinder in Niederösterreich. Der Verlegertitel besagt nicht genau, was das Buch eigentlich ent-hält. Man tut gut daran, den Band selbst zu Rate zu ziehen.

Man kann die künstlerisch gestalteten Faßböden wirklich als einaltes Anliegen unserer Volkskunde bezeichnen, denn Michael Haber-landt hat schon 1914 in der von ihm leider nur drei Jahre hindurchherausgegebenen repräsentativen Volkskunstzeitschrift Werke derVolkskunst die im Wiener Museum gesammelten Faßböden zum erstenMal veröffentlicht. Michael Haberlandt hat damit, wie so manches andereMal auch, über das Gebiet der Bauernkunst hinausgegriffen. Er hatsein Gebiet nie auf Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitive Kunst" einengen lassen, sondern die imländlichen Bereich übliche Gebrauchskunst miteinbezogen. In diesemFall handelt es sich gewiß auch um eine Art der Brauch- und Gebrauchs-kunst, die mit der Kunst der Klöster im engen Zusammenhang stand undnoch steht. Davon sprechen schon die vielen geistlichen Motive auf denFaßböden. Die Faßbinder für die Keller der Klöster und ihrer Wirt-schaftshöfe, also beispielsweise für Heiligenkreuz und sein WeingutThallern, waren auch direkt von den Klosterkünstlern abhängig. Dasmacht Helene Grünn hier dadurch klar, daß sie einen Faßboden- Relief-entwurf von dem Heiligenkreuzer Klosterkünstler Giovanni Giulianiveröffentlicht. Solche, meist einfachere Entwürfe haben sicherlich auchmanchen anderen, in diesem Buch abgebildeten Faßboden als Vorbildgedient.

Ein anderer, funktioneller Zusammenhang mit der Klosterkunst tutsich auf, wenn man die wenigen bisher bekanntgewordenen Tisch-fäßchen betrachtet, die in den Klöstern jeweils für die Abtwahl her-gestellt wurden. Wir haben bei unserer Ausstellung im SchloßmuseumGobelsburg mit Vergnügen ein barockes Tischfäßchen aus dem Besitz desStiftes Zwettl mitaufgestellt, dessen Boden, wie in solchen Fällen üblich,mit dem Kloster- und dem Abtwappen bemalt ist. Gobelsburg, das Wein-gut des Stiftes Zwettl, kann also auf diese Weise Stücke seiner barockenklösterlichen Tradition zur Geltung bringen. Das in Gobelsburg aus-gestellte wie auch ein jüngeres Zwettler Tischfäßchen findet sich nunauch bei Helene Grünn abgebildet( Abb. 13, 18).

Die Bemalung der Faßböden war verhältnismäßig selten. Die Farbenhielten sich in den Kellern nicht. Nur ab und zu wurde ein geschnitzterFaßboden auch farbig gefaßt, wie das vorzügliche Stück mit dem Gnaden-bild von Maria Taferl in der Sammlung Schlumberger beweist. Dasschöne Stück von 1827 ist in der Monographie sogar farbig wieder-gegeben. Die meisten Stücke jedoch weisen eine mehr oder minder tiefeReliefierung auf. Die älteren Stücke zeigen hauptsächlich geistlicheMotive, unter denen die Darstellungen von Namenspatronen einen be-

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