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71 (1968) / N.S. 22
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sind Gavazzi und sein Schüler Ivančan hier wohltuend vorsichtig, sobestechend es auch sein mag, unmittelbare Verbindungen bis zuDionysos-, Asklepios-, Apollo- oder Totenkulten anzunehmen, wenn mandas gemeinsame Verbreitungsterritorium und die Zeitbindungen( Elias-Tag), die Sekundärelemente( Grün- und Kerzenschmuck des Opferstieres,Priestergebet, Blutguß auf die Erde, Pflichtmahl vom geopferten Tiereusw.) in Betracht zieht.

Im Ganzen eine auf breiter Materialbasis mit kritischem Weitblickund vorsichtigen Schlüssen erstellte Arbeit, eine wirkliche Bereicherungnicht nur für die Volkskundeforschung des Südostraumes.

Leopold Kretzenbacher, MünchenSalomon Schweigger, Ein newe Reyssbeschreibung auss Teutsch-land nach Constantinopel und Jerusalem". Einleitung: Rudolf Neck,Wien.( Frühe Reisen und Seefahrten in Originalberichten, Band 3),Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1964; XXVIII_und420 Seiten, 8 Tafelbilder( mehrteilige Faltblätter) und 83 Text-illustrationen nach Holzschnitten. S 220,-.

Reisebeschreibungen vergangener Jahrhunderte sind für den Volks-kundler fast immer interessant. Es lassen sich bei genügender Quellen-kritik oftmals wichtige Einzelbeobachtungen gut in das noch unfertigeBild fremder Zeiten und Regionen einfügen. Im vorliegenden, wirklichbibliophil ausgestatteten Buche, einem Neudruck der Ausgabe von Nürn-berg 1608, handelt es sich um ein wertvolles Dokument für das 16. Jahr-hundert und die Lande zwischen Schwaben und Ägypten. KaiserRudolf II. hatte den evangelischen Freiherrn Joachim von Sinzendorff,seinen Reichshofrat, zum Gesandten in Konstantinopel bestimmt undder nahm sich den protestantischen Theologen Salomon Schweigger( 1551-1622) aus Haigerloch/ Hohenzollern, nachmals Tübinger Studentund Prediger in Graz, als Gesandtschaftsprediger im Privatgefolge aufvolle vier Jahre( 1577-1580) mit in den Nahen Orient Glossary ::: show glossary-entry  Orient. Hatte Sinzen-dorff in seinen diplomatischen Relationen die Schwierigkeiten des kaiser-lichen Gesandten an der Pforte im immer noch aufstrebenden, dasAbendland Glossary ::: show glossary-entry Abendland würgend bedrohenden Osmanenreich zu meistern, so siehtsein Prediger interessiert auf der Reise von Tübingen über Regens-burg Linz Wien- Graz- Wien- Komorn, wo wir verlassen die Chri-stenheit", nach Belgrad und auf dem Landweg über Niš- Sofia- Philip-popel Adrianopel an den Bosporus und nachmals allein weiter nach demHeiligen Lande und Ägypten so erstaunlich viel, daß es vergnüglich zulesen ist, was er von der innwohnenten Völcker Art/ Sitten/ Gebreuch/Trachten/ Religion vnd Gottesdienst etc" beobachtet und ausgesprochenlebendig und dabei kritisch beschreibt. Die Stellung des protestantischenPredigers an der Kaiserl.- Habsburgischen Gesandtschaft eröffneteSchweigger Zugang zu den Vertretungen der anderskonfessionellenDiplomaten, dazu der Orientalen Glossary ::: show glossary-entry  Orientalen, zumal der Perser, die er bis in Einzel-heiten des Begrüßungs- und Bewirtungszeremoniell ebenso beschreibtwie die Türken, die Italiener und Griechen. Badesitten und Hochzeits-bräuche in Konstantinopel, Totenklagen, Musikinstrumente und Trachten,Legenden und Wallfahrtsorte, boshafte Bemerkungen über den Lebens-stil mancher orthodoxer Patriarchen usw., das mengt sich zu einer höchsteindrucksvollen, erlebten Schau, die der Verfasser auch noch durch eigeneZeichnungen zu illustrieren sich bemühte. Sie sind in vorzüglicher Wie-dergabe dieser bibliophilen Volks- und Länderkunde Südosteuropasund des Nahen Orientes Glossary ::: show glossary-entry  Orientes im schicksalsschweren 16. Jahrhundert eingefügt.Leopold Kretzenbacher, München

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