Von unserem fachlichen Standpunkt aus wäre dies alles keine volks-kundliche Arbeit, weil ohne Distanz geschrieben, von einem agierenden,keinem beobachtenden Menschen. Ludwig Pasch ist kein Eduard Strübindes Innviertels. Dennoch wird man es begrüßen, eine solche mit vielFleiß und Eifer zusammengestellte Veröffentlichung zur Kenntnis nehmenzu können.Leopold Schmidt
Kulturkarte von Tirol. Historische Stätten und Kultur-denkmale. Hergestellt mit Unterstützung der Tiroler Landes-regierung. Österreichischer Bundesverlag. Wien, 1967. Druck TirolerGraphik, Innsbruck. S 750,-.
Diese große Wandkarte wurde im Institut für Geschichtliche Landes-kunde an der Universität Innsbruck( Vorstand Prof. Dr. Franz Hutter)hergestellt. Herausgegeben ist sie von Dr. Ernest Troger unter Mit-arbeit von Prof. Dr. Karl Ilg( Volkskunde), Prof. Dr. Walter Senn( Musikund Theater), Dozent Dr. Osmund Menghin( Vor- und Frühgeschichte),Dir. Dr. Erich Egg( Kunstgeschichte). Die graphischen Arbeiten wurdenvon Otto Schimpp und Klaus Form besorgt.
Die
Die Karte, vor allem wohl für die Verwendung in Schulen gedacht,umfaßt ganz Tirol, es werden also Süd- und Osttirol ebenso wie Nordtirolbehandelt, und alle angrenzenden Landschaften sind zumindest kur-sorisch miterfaßt, was gut und richtig erscheint. Die grünen Zeichen derVolkskunde" erfassen: Wallfahrtsort, Passionsspiel, Laienspiel, Rang-geln, Schützen, Federkielstickerei, Trachten, Hochzeitsbrauch, Toten-brauch, Totenbrett, Gebildbrot, Feuerbrauch, Lärmbrauch, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum umWeihnachten, Krippendorf, Fasnachtbrauch, Osterbrauch, Maibaum-setzen, Berühmte Prozession, Umritt, Bergfeuer, Erntebrauch.Bauernhaustypen( 21 an der Zahl) sind eigens ausgewiesen. Man weiß,wie schwer die Darstellung volkskultureller Erscheinungen auf Kartenist. Punktuelle Ortszeichen sind dafür besonders wenig geeignet. Siealternieren hier dementsprechend mit Zeichen, die für eine flächenhafteVerbreitung stehen sollen, nämlich die Zeichen für die Bauernhaustypenund für das Vorkommen von Trachten. In beiden Fällen sind die Zeichenin schwächerem Druck in die Landschaft gesetzt. Das belebt wenigstensdie sonst geradezu leer wirkenden großen Hochgebirgsstrecken. Abervon fern, etwa vom Schüler in der Bank aus, lassen sie sich wohl kaummehr sehen, und von dort aus dürften auch alle übrigen Zeichen zu kleinund zu undeutlich erscheinen. Von der Auswahl der Erscheinungen sollnicht die Rede sein: Schließlich müssen die Bearbeiter wissen, was siedarstellen wollen und können, irgendwo muß wohl auch immer eineGrenze sein. Freilich werden so allgemeine Formulierungen wie: Hoch-zeitsbrauch, Totenbrauch, Osterbrauch, kaum überhaupt die Möglichkeiteiner wirklichkeitsnahen Erfassung bieten. Da wären wohl die bäuer-lichen Möbeltypen neben den Haustypen dankbarer gewesen. Diese las-sen sich doch gerade in Tirol verhältnismäßig gut talweise erfassen. Auchbäuerliche Behelfsbauten wie die Osttiroler Heuharpfen hätten sich ver-breitungsmäßig auf einer solchen Karte gut gemacht. Von Arbeitsgerätenwie dem einbeinigen Melkschemel gar nicht zu reden, den man nur frei-lich nicht punktweise festhalten könnte.
So ist diese Karte als eine der ersten allgemein- bildenden Karten-darstellungen, auf denen volkskundliche Erscheinungen einbezogenwerden, wohl zu begrüßen, doch mag man sich auch vor Augen halten,
48