zwischen echt und unecht unterscheiden. Im Kriege ließ man ihnein halbes Jahr am Unterricht in der Schnitzerfachschule in Hall-statt teilnehmen, an der er sein handwerkliches Können erwei-terte, doch von dort nicht allzu große Eindrücke mitnahm, warer doch schon im besten Mannesalter. Nach dem Kriege bekamer als Schnitzer er hat sich nie als Künstler ausgegeben undblieb immer der einfache Arbeiter einen ganz guten Namen,zumal er auf einmal in seiner Umgebung mit Masken auftauchte,denen er selbst Symbolwert, etwa Sommer und Winter, den„ Auswärts und den Einwärts" wie er sagte, beilegte. Blieb ernoch in den Anfängen seiner Maskenschnitzerei dem ursprünglichgestellten Thema treu, so geschah in den kommenden Jahren einWesenswandel, der sich nicht nur im persönlichen Leben diesesTrofaiacher Schnitzers auswirkte, sondern in der ungeheuren,allerdings thematisch beschränkten Gestaltungskraft, die ihn aufeine gewisse Höhe brachte, dann aber jäh abriß. So schuf er inseiner besten Zeit zwei Kruzifixe für die Seitenaltäre der Tro-faiacher Pfarrkirche, die ein sehr starkes vielleicht land-schaftsbedingtes barockes Erbe in sich tragen, aber in keiner
Weise zur Kopie herabsanken.
Das Dämonische aber, das Toni Scharf seinen Arbeitenanhaften ließ, konnte sich nur unter dem Einfluß von Alkoholentwickeln, dem er zumindest bei seiner Maskenschnitzerei zu-sprach. Dabei ergaben sich jene skurrilen Gedankengänge, dieer auf das Schnitzholz übertrug. Es wurden die Erinnerungenwach, die er als Kind und auch als Mann noch alljährlich amNikoloabend erlebte, inmitten einer Landschaft, die noch langenicht traditions- und brauchtumsleer Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtumsleer geworden ist.Wenn manToni Scharf fragte, wie lange er an einer Maske schnitze, wußteer keine Zeit anzugeben, doch je nach Stimmung„ ein oder zweiFlaschen lang". Auch im Gasthaus, das zeitweise sein Lieblings-aufenthalt geworden war, brach das Dämonische im MenschenScharf durch, er versuchte dem Zuhörer das Wesen seiner Maskennahezubringen, meist kam er aber an die unrechten Mitzecher,die ihm für wenig Geld seine Schnitzereien abnahmen. Es ist auchnie bekanntgeworden, wie viele Masken er schnitzte, es werdenan die vierzig gewesen sein, die ihm ob ihrer Originalität förm-lich aus den Händen gerissen wurden. Sie befinden sich meistin Trofaiacher und Leobener Privatbesitz und haben eine Eigen-schaft: sie werden dem Beschauer nie langweilig, sie sind derAusdruck einer unverbildeten, an sich einfachen Natur, die dasKönnen besaß, Kräfte wachzurufen, die in jeder guten Maskeschlummern.
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