Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Dreißigjährigen Krieges sind die Zeugnisse dünn gesät, nachhermehren sie sich. Hierher gehört es, wenn Tobias Schmidt 1656den Brauch für Zwickau bezeugt, mit der Tradition von 1518 her.Stärker in den Zusammenhang mit dem von Cervantes genanntenTierprellen gehören die Bildbelege der Zeit. So hat MelchiorKüsell ein Fuchsprellen vor dem Kaiser im Prater zu Wien"1666 dargestellt 40). Füchse und Hasen werden da in die Luft ge-schnellt, es handelt sich offenbar um einen Jagdbrauch. Ein Dut-zend Jahre später hat Georg Jacob Schneider ein Fuchsprel-len im Schloßhof zu Dresden, 1678, in einem Kupferstich festgehal-ten. Da prellen die Männer auf schmalen Tuchbahnen lebendeFüchse, die offenbar von Hunden gehetzt werden 41). Vermutlichist der spanische Brauch im 17. Jahrhundert an die deutschen Höfegekommen.

Von hier aus ist die Bezeichnung Fuchs" für den geprelltenNeuling offenbar auf das menschliche Fuchsprellen übergegangenund hat sich im Hänselbrauch erhalten. Die Hintergründe desPrellens der Tiere, also der Hunde, Hasen und Füchse, brauchenhier nicht erörtert zu werden. Man hat sie einigermaßen einseitigim Bereich des Opfers eines Vegetationstieres" gesucht 42). ImZusammenhang mit unserer Bezeugungsreihe soll darauf nichteingegangen werden, weil es sich vermutlich um eine andere Linieder Brauchgestaltung handelt.

Von den in die Luft geschnellten Menschen sprechen auch im17. Jahrhundert noch einige ganz verschiedene Quellen, die allevon derartigen religionsgeschichtlichen Beziehungen jedenfallsrecht entfernt zu liegen scheinen.

Eine Art von erzählerischem Gegenstück zu der Episode im Don Quichote" des Cervantes stellt jedenfalls die Motivgeschichtein der italienischen Novelle Abenteuer eines deutschen Poeten"von Pietro Pomo, im 17. Jahrhundert, dar. Es handelt sich dabeium die märchenhafte Geschichte eines Deutschen namens Agisulfin Hibernien", der dort auf wunderlichen Wegen König wird.Vorher aber wird er noch von Anhängern des Tyrannen Crudarteverspottet, und zwar zuletzt auf folgende Weise: Aber siehe da,als er aus der Burg treten will, wird er von einer Schar seiner Ver-höhner angegriffen, die ihn auf einmal mit einem papierenem

40) Eugen Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit inBildern. Jena 1907. Abb. 1305.

Zum Fuchsprellen im Wiener Prater vgl. weiter Hans Pemmerund Ninni Lackner, Der Wiener Prater einst und jetzt( Nobel- undWurstelprater). Wien 1935. S. 7.

41) Eugen Diederichs, ebendort, Abb. 1304.

42) Gustav Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumskalender für Österreich,Süddeutschland und die Schweiz. Wien 1955. S. 20 f.

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