Jahrgang 
69 (1966) / N.S. 20
Einzelbild herunterladen
 

Stößel, Obstquetsche und Obstmühle

Zur Einführung der Christ'schen Apfelmühle in der Steiermark.( Mit 2 Abbildungen im Text)

Von Anni Gamerith

Spielend leicht lassen sich Trauben entsaften. Schwer undmühevoll ist es, Kernobst zur Saftgewinnung aufzuschließen.

Das Austreten der Trauben mit bloßen Füßen, einem Werk-zeuge, das jedem von Natur mitgegeben, stets bereit steht, warin weinbestandenen und Weinbau treibenden Ländern seit jeüblich und ist in primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Gebieten bis in unsere Zeiten nochnicht ganz verschwunden ¹).

Konnte schon beim Austreten ein gut Teil des abrinnendenSaftes gewonnen werden, so macht ein nachfolgendes Auspressender Masse durch ein drehendes Auswinden in einem Sacke 2) oderdurch Hebeldruck keine besonderen technischen Schwierigkeitenmehr.

Die Hebelpresse, in der das Auspressen mittels Senkeneines langen, schweren Preßbaumes erfolgt, dessen äußerstesArmende mit Steinen oder auch daran hängenden Menschen ³) be-schwert oder durch Drehen einer beschwerten, freihängendenoder fest im Boden verankerten Spindel herabgeschraubt wird 4),stand schon im Altertum in Gebrauch 5), ist aus dem Frühmittel-alter in Deutschland belegt 6), von Hörmann für Tirol 7), von

1) So konnte ich dies etwa vor 30 Jahren auf dem bosnischen Hoch-plateau des Karstes allgemein beobachten.

2) So schon auf einem Wandgemälde in Theben, abgebildet inA. Neuburger, Die Technik des Altertums, S. 107.

3) Auf einem griechischen Vasenbild, abgebildet in A. Neuburger,a. a. O., S. 115.

4) Beide Formen heute in Ost- und Weststeiermark als Gwar-( oder Senk-") und Zwengpreẞn" üblich. Eigene Beobachtung und H. M.Fuchs, Bauernkost im Sulmtal( ZVK, N. F. I. Heft I, S. 41, 42).

5) Vitruv VI, 9.

6) Abbildung in Herrad von Landsperg, Hortus Deliciarum.12. Jh.; Heyne, Fünf Bücher deutscher Hausaltertümer, II. Bd., S. 360.7) L. Hörmann, Der tirolisch- vorarlbergische Weinbau( Ztschr.D. Ö. A. V. 1906, S. 106 ff.)

1

177