Jahrgang 
69 (1966) / N.S. 20
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Volkskunde des Gebietes werden sollen, und die tatsächlich dafürgeschriebenen Beiträge zielen auch in diese Richtung. Sie sind nur frei-lich ziemlich lang liegen geblieben, und offenbar nicht mehr durchandere, auch geplante, ergänzt worden. Umfangreiche Sonderveröffent-lichungen, besonders das schöne Werk von Josef Schepers, Haus undHof deutscher Bauern, Bd. 2: Westfalen- Lippe. Münster 1960, habenzudem den Stoff einzelner Kapitel vorweggenommen. So ist also eineArt von Sammelband zurückgeblieben, dessen Beiträge nicht notwendigmiteinander harmonieren müssen. Sie haben dagegen zweifellos, jederfür sich, bedeutenden Eigenwert.

Der Band wird durch die bemerkenswerte Übersicht Die kultu-relle Stellung Westfalens nach den Sammlungen des Atlas der deut-schen Volkskunde" von Matthias Zender eingeleitet. Der verdienst-volle Leiter des Atlas- Unternehmens in unseren Jahren hat hier imSinn der Bonner Schule der Kulturraumforschung vor allem Westfalenim Spiegel des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums" herausgearbeitet. Seine 26 in den Textgedruckten Karten zeigen die einstmals durch den Atlas abgefragtenKomplexe, vom Zuggeschirr der Pferde über das Vorkommen desRummelpotts bis zu Muttertag und Sonnabend und Sonntag alsbevorzugte Hochzeitstage". Manches wird die Kenner Westfalens dabeials Randerscheinung berühren, so die herausgearbeiteten Relikte imOldenburger Münsterland"( Karte 11). Die Tunschere", die am Drei-königstag ausgetragen wird, gibt es im eigentlichen Westfalen eben garnicht. Der Rummelpott"( Karte 13) läßt sich für das Rheinland umKöln ganz dicht nachweisen, im eigentlichen Westfalen konnte schonum 1930 fast keine Rede mehr davon sein. Die Eierspiele zu Ostern( Karte 14) sind wohl in Friesland dicht bezeugt, für Westfalen mußZender geradezu von einem Bild der Leere( S. 38)__ sprechen. DieErnteschlußbezeichnungen nach einem Tier( Hahn, Hase usw.), dieschon Mannhardt vor hundert Jahren in reicher Fülle aus Westfalenbelegen konnte, haben sich auch jetzt feststellen lassen, den Ernte-hahn kann man gleich anhand von 3 Karten( 15, 16, 17) verfolgen. Auchvolksgesellschaftliche Fragen lassen sich gut verfolgen, so die Nach-barschaftshilfe( Karten 19, 20), der Gesindewechsel( 21) oder aufeiner anderen Ebene spielend das Gesangsvereinswesen( 22). Zenderhat aus den Karten und dem gesamten Atlasmaterial wichtige Schlüssegezogen, die bezeichnende Eigenheiten des Raumes" Westfalen unter-streichen.

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Eine weitgehende Ergänzung von einem anderen Standpunkt ausergibt der Beitrag Verwandlung westfälischer Lebensformen im Ruhr-gebiet von Wilhelm Brepohl, der seine Abhandlung im Untertitelals Gedanken und Beobachtungen zur industriellen Volkskunde"bezeichnet. Abgesehen von der sprachlich unglücklichen Formulierung industrielle Volkskunde" sind Brepohls Arbeiten bekanntlich sehrerwägenswert. Sein Buch Industrievolk im Wandel von der agrarenzur industriellen Daseinsform" Tübingen 1957, hat dies zur Genügebezeugt. Freilich müssen viele Erkenntnisse der Soziologie heran-gezogen werden, um zu einer Ethnocharakterologie" zu gelangen, underst der spezielle Teil der Abhandlung vermag es, die beiden Bestands-aufnahmen der untergegangenen und der abgewandelten Volkskultur-güter sinnvoll und ergebnisreich gegenüberzustellen. Solche Versuchelaufen letztenendes immer auf eine Erkenntnis des Lebensstiles"hinaus. Versuche über das Westfälische" sehen wir mit der gleichenZaghaftigkeit vorüberziehen, wie wir schon Versuche über die Wiener"

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