Jahrgang 
68 (1965) / N.S. 19
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neu entstandenen internationalen Umschlagplatz), die Hangsiedlungendes Studner- und Grabserbergers mit ihren Einzelhöfen. der Waldgürtelund endlich die Alpenregion. Überdies kann man Werdenberg trotz allermodernen Einflüße noch immer als eine Reliktlandschaft betrachten,die vor allem volkskundlich bisher so gut wie gar nicht bearbeitet wor-den ist.

Hugger hat sich also einer in vieler Hinsicht interessanten Über-lieferungslandschaft zugewandt, wo er sein erprobtes Talent des Feld-forschers einsetzen konnte. Nach einer persönlichen Vorbefragung imHerbst 1961 hat er dann auf seinen beiden großen Kundfahrten in denJahren 1962 und 1963 von 101 Gewährsleuten in 204 Sitzungen alle jeneunzähligen Fakten erheben können, die unterstützt von verschiede-nen literarischen und archivalischen Bezeugungen zusammen dasLebensbild einer Talgemeinschaft" ergeben haben, das in aller Far-bigkeit jene Zeit heraufbeschwört und vor Augen führt, die vor demgroßen Zerfall lag."

Hier liegt eindeutig der Akzent des Buches. Etwa drei Viertel desBuches werden ausgefüllt von der Schilderung des Werdenberger Volks-lebens etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die von Über-lieferung und Gemeinschaft bestimmten Daseinsformen noch nicht dievermeintlichen Störungen der Gegenwart erlitten hatten. Es gelingenhier dem Verfasser ganz ausgezeichnete Einzeldarstellungen, die vorallem durch die mundartliche Wiedergabe von zahlreichen Selbstzeug-nissen verschiedener Gewährsleute sehr lebensvoll wirken. Ohnehier allzu sehr auf Einzelheiten einzugehen, sei doch z. B. auf denAbschnitt über die Lehrzeit und Walz der Handwerksburschen( S. 48bis 55) hingewiesen, in den die geradezu romanhaft wirkende Schilde-rung der Wanderzeit eines Grabser Schreiners aufgenommen ist. Über-haupt zeichnet Hugger im Kapitel Stufen des Lebens das alltäglicheund werktätige Leben( Jugendspiele, Schulzeit, Stubetihäuser, Ernäh-rung, Kleidung, Wohnung, Nachtwächter, Waschtag, Putzete" am Samstag u. a.) mit der gleichen Eindringlichkeit wie die außergewöhnlichenund festlichen Ereignisse im Menschenleben( Geburt und Taufe, Konfir-mation, Tanztag, Verlobung und Hochzeit, sonntäglicher Kirchgang, Ab-schied vom Leben usw.). Die konfessionellen Unterschiede zwischen denprotestantischen Gemeinden der alten Herrschaft Werdenberg und derkleinen katholischen Enklave Gams sowie den gleichfalls altgläubigenNachbarn in Liechtenstein bekunden sich nicht nur im sogenannten Dörfligeist" und den aus diesem hervorgegangenen Ortsübernamen,sondern kommen im festlichen Jahresbrauch besonders deutlich zumAusdruck. Das Werdenberger Jahr verläuft einförmig. Wohl gibt esdie einfachen Formen des Arbeits- und Jahresbrauches( gemeinsamesMaisschälen, ,, Uusschellete", im Herbst; Metzgete" im Spätherbst;Weihnachten; Lärmen der Buben zu Silvester, Altjöörle; Heischenund Göttigeschenke zu Neujahr; Feuerbrauch am Flaggelesunntig";Ostereier), doch fehlen die glanzvollen Höhepunkte der kirchlichenFeiern mit ihren volksreligiösen Bräuchen, und auch das weltlicheBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum wie etwa das Fastnachtstreiben erreicht in den strengerenevangelischen Dörfern längst nicht jene Buntheit wie z. B. bei denGamsern, die man deshalb auch gerne als ein leichtsinniges Völkchenbetrachtet. Gute Schilderungen der bäuerlichen Arbeit und des land-wirtschaftlichen Gerätes enthält das Kapitel über Das Bauernjahr", woder Verfasser in den Abschnitten Ackerbau, Obstbau, Viehwirt-schaft und Waldarbeit" die Vielgestaltigkeit der bäuerlichen Wirt-

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