Jahrgang 
68 (1965) / N.S. 19
Einzelbild herunterladen
 

tragsabschlüsse symbolischer Art im Niemandsland, auf dem Gewässer,einer Brücke usw. Im Aufriß der romanischen Volkskultur folgen nun-mehr Beobachtungen zu Siedlungsvorgängen und-formen, die Aussagen( etwa der lex Baiuwariorum) zu Haus und Hof, über die Badstubeoberschichtlich( im Untergeschoß eines Palas, nach Sagentradition des11. Jhs.), über Hausrat und Bergeeinrichtung im vorerst noch nichtmobilen Mobiliar" als armarium- Almer, Kasten, als wandfestes Bett;dazu das Bereiten und Reichen von Speise und Trank mit ihren frühschon bezeugten z. T. französischen und tschechischen Namen und For-men, Geräten und Gefäßen. Eine Überschau über das vorwiegend inBildzeugnissen bekannte Arbeitsgerät schließt sich an, wie es schon seitdem Hochmittelalter nicht nur von der Hand des nachmals Gebrauchen-den, sondern schon gewerbsmäßig hergestellt worden ist: der rand-beschlagene Spaten, Pflugschar und Arl, die Ernteschnittgeräte, dar-unter jene eigenartigen gezähnten Sicheln, die- Schachteln und-Körbedazu das Beleuchtungswesen, die Gegenstände der Körperpflege mitden z. T. überraschend weiten Ausgriffen in der Frage der Haar- undBarttracht und der Ritualkämme, an ein besonderes Relikt, den soge-nannten Kamm des hl. Adalbero v. Lambach( 1090) geknüpft; sowieBemerkungen zu den Funden von Kleidung und Schmuck. Von hier wegführt der Weg sinnvoll zum Andeuten der kaum auszuschöpfendenSymbolformen der Romanik, zu dem, was von ihrem Volksglaubenallenfalls erschließbar wäre. Nur verhältnismäßig spärlich sind die Jahr-lauffeste in der Dichtung erwähnt. Etwas mehr besagen die Quellenüber die Erscheinungsform von Brauch und Glaube in den Lebenslauf-stufen. Mangelhaft durch das auffällige Schweigen der Quellen sindauch unsere Kenntnisse über Bestand und Geschehen an den christ-lichen Kultstätten der romanischen Epoche, wenngleich die Urkundenviel von den Stiftsgründungen mit sekundär deutenden Legenden zuerzählen wissen. Immerhin läßt sich das Aufkommen der Wachsvotiveerkennen und manches andere erschließen. Deutlicher sind die Ein-blicke dort, wo es sich um die Tätigkeit der Spielleute, der ioculatoreshandelt, wo Gattungen, wenn auch nur selten Texte der Lieder, erhal-ten blieben als Sondervermerke bei bestimmten Anlässen wie jenen derden Spielleuten ex offo auferlegten Klage beim Fürstentod usw. For-men des Tanzes und der Musikinstrumente lassen sich aus Bildillustra-tionen ablesen; aus Beschreibungen kennen wir bereits das nahezuinternational abendländische Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländische Fluktuieren der Modetänze und ihrerNamen. Bemerkungen über das kaum bezeugte Schauspiel leiten überzu Betrachtungen über das in den literarischen Quellen besser ver-merkte Kinderspiel jener Zeit und das Wissen des Volkes" um das Alt-erbe von Heldenlied und Heldensage, um das neue Gegengewicht in derLegende. Die Schlußbetrachtungen des Verfassers, die den motivkund-lichen und geistesgeschichtlichen Bezügen des Schwankes vom Krieg derKatzen und der Mäuse gelten und leitmotivisch vom weiten Sinnbezugdes berühmten Freskobildes der Johanneskapelle zu Pürgg in derSteiermark erzählen, das ja auch eine kufische Anrufung Allahs imromanischen Gotteshause trägt, wären einer eingehenden Sonderstudieaus volkskundlicher Schau wohl würdig.

Es läßt sich gewiß nicht verkennen, daß diese Studie manchemLeser an etlichen Stellen_wie ein Puzzle- Spiel vorkommen mag. All zuspärlich sind die Nachrichten in den noch dazu sehr verschiedenartigenQuellen jener Zeit: in Hochdichtung und verchristlichtem Zauberspruch,im datierten Keramikfund mit dem Münzschatz, in der Miniatur zur

182