Jahrgang 
67 (1964) / N.S. 18
Einzelbild herunterladen
 

Zu der Kleidung aus dieser Zeit im weiteren Sinne könnenwohl auch die Schneereifen zählen, von denen sich einige, vonder Ausführungsform, wie sie Abb. 1 zeigt, fanden. 5)

Bei den Möbeln zeigt sich, daß in den hundertzwanzigJahren, die zwischen den beiden Protokollgruppen liegen, ganzwesentliche Änderungen eingetreten sind. Im 17. Jahrhundertfehlte z. B. der Kasten in den Verlassenschaften fast vollständig,woraus Niel schließt, daß dieses Möbelstück damals in den bäuer-lichen Kreisen des oberen Pielachtales so gut wie unbekannt war.Dafür gab es in jedem Haus zum Aufbewahren der Kleider undder Wäsche eine ganze Anzahl von Truhen. Diese wurden späterdurch Gewandkasten ersetzt und wanderten, was auch aus denProtokollen ersichtlich ist, von den Stuben auf den Dachboden.Dort finden sie sich auch heute noch, und es konnten in letzterZeit eine aus dem Jahre 1684 mit drei Rundbogenarkaden auf derVorderseite und eine aus dem Jahre 1690 mit zwei rot ausgegrün-deten Wirbelrosetten gefunden werden. Die Truhen, und auchdie Kästen, waren nach den vorhandenen Stücken und den Mit-teilungen der alten Leute meist von einfacher Ausführung, ohneSchnitzereien und primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv bemalt. Wiederholt finden sich alsVerzierung Wellenlinien, die mit einem Kamm in die noch nasse,dunkle Farbe gezogen wurden. Einen so verzierten Kasten zeigtAbb. 2.

Als interessantes Detail sei erwähnt, daß die Truhen mit-unter Geheimfächer haben. Diese sind in das Seitenfach eingebautund zum Teil von einer ziemlich komplizierten Anordnung, wiesie beispielsweise schematisch in Abb. 3 gezeigt ist. Nach Auf-klappen des Deckels des Seitenfaches( 1) kann der oberste Teilder Seitenwand angehoben werden( 2). Jetzt ist es möglich, denersten Boden zur Seite zu schieben( 3). Nach Anheben des zwei-ten Seitenteiles( 4) kann auch der zweite Boden weggeschobenwerden( 5). Dadurch wird das unterste Fach frei. Geheimfächerfinden sich auch in Kästen. Wenn man zum Beispiel bei einemaus dem Jahre 1767 stammenden eintürigen Kasten bei geöffneterTür das untere Querbrett anhebt, wird dahinter eine kleineSchublade freigegeben.

Zahlreiche der alten, vielfach eintürigen Kästen wurden erstin den letzten Jahren anläßlich der Bodenräumung zerschlagenund verheizt.

5) Vgl. jetzt Erwin Mehl, Grundriß der Weltgeschichte des Schi-fahrens. I. Von der Steinzeit bis zum Beginn der schigeschichtlichen Neu-zeit( 1860). Schorndorf bei Stuttgart 1964. S. 18, Abb. 6.

275