trächtlich. Tatsächlich wurden die Sagen des Tales auch schon vor 110Jahren aufgezeichnet, die Chronik des Pfarrers August E. Walthardvon 1855 ist unveröffentlicht geblieben. Ihre schriftdeutschen Fassungensind nunmehr hier abgedruckt und bilden eine sehr willkommene Er-gänzung zu den hundert Jahre später erfolgten Aufzeichnungen Soo-ders, die in Mundart veröffentlicht erscheinen. S. 73 ff. findet sich einnützliches vergleichendes Verzeichnis der beiden Sammlungen, dasunter anderem erkennen läßt, daß sich der größte Teil der Sagen überhundert Jahre hindurch mündlich weiter erhalten hat. Dieser Kern-bestand des Büchleins wird durch die Aufzeichnungen über das Woh-nen im Dorf, über das kirchliche und das wirtschaftliche Leben und nichtzuletzt über Sitte und Brauch in Habkern ergänzt. KnabenschaftlicheRügebräuche, beispielsweise bei der Hochzeit, finden sich ebenso aufge-zeichnet wie Todesvorzeichen, Jahreswechselorakel wie Eierheischen amSamstag nach Ostern usw. Wie alle Veröffentlichungen Sooders, so istauch diese für den Nicht- Alemannen nicht leicht zu lesen; ein Sachregi-ster wäre von großem Nutzen gewesen.Leopold Schmidt
Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde. Herausgegeben von Karl Meisen.Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag.
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Das nach dem letzten Krieg neu gegründete und wohleingeführteJahrbuch ist nunmehr bereits bei seinem 14. Jahrgang angelangt. Der12. Band erschien als Festschrift für den Herausgeber Karl Meisen.der hier vorliegende 13./14. Band( 300 Seiten, 1 Karte, DM 11,80) wirdnunmehr wieder von ihm redigiert und bringt auch einen wichtigenAufsatz von ihm selbst, nämlich St. Michael in der volkstümlichen Ver-ehrung des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes". Wie bei seiner großen Monographie über dieVerehrung des hl. Nikolaus seinerzeit stellt sich Meisen auch in diesemFall auf den Standpunkt, daß eine derartige Verehrung in erster Linievon der Seite der christlichen Kultgeschichte her zu betrachten sei, underarbeitet dementsprechend die wesentlichen Zusammenhänge innerhalbder mittelalterlichen Völkergemeinschaft Europas. Die von der älteren,germanisch- mythologischen Forschung versuchten Zusammenhangsauf-weisungen werden beiseitegeschoben, was freilich nicht für alle Problemedie einzig mögliche Lösung sein dürfte. Von anderen Beiträgen desBandes seien besonders die beiden nachgelassenen Arbeiten von GeorgSchreiber über„ Der Wein und das mittelalterliche Hospital" unddas Gegenstück dazu„ Das französische Spital und der Wein hervorge-hoben. Bemerkenswert weiter die beiden Beiträge von Willy Krog-mann über„ Die Wurzeln des Weihnachtsbaumes", eine neue Abrech-nung mit Otto Laufers längst überholten Thesen, und„ Ostfriesland inder Schweizer Sage", eine wichtige Materialzusammenstellung. EinenBeitrag zu der von Meisen so kräftig betriebenen Evermarus- Forschungbringt Fritz Hofmann mit seiner im wesentlichen patrozinien- ge-schichtlichen Abhandlung„ Das Evermarus- Patrozinium in Borth amNiederrhein, Kreis Mörs". Daß volkskundliche Fragestellungen überdiese patroziniengeschichtlichen Ergebnisse hinausgehen könnten, wirddarin nicht spürbar. Solche Gedanken sind eher in der Abhandlung vonChristian Helfer„ Positionsmerkmale des Galgenplatzes am unterenMittelrhein und in dem Aufsatz von Nikolaus Kyl1„ Die Hagelfeierim alten Erzbistum Trier und seinen Randgebieten" enthalten. Nichtuninteressant schließlich die Kennzeichnung der„ Old- Order- Amish-Mennoniten in Nordamerika" von William I. Schreiber, auch im Zu-sammenhang mit den österreichischen Wiedertäufer- Forschungen. In den
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