selbstverständlich in den ungefähr tausend Bildern zum Ausdruck, dieauf den mehrfach mehrere Objekte darstellenden 414 Abbildungen ge-boten werden: Ein sehr stattlicher Querschnitt durch eine Spezialsamm-lung, schon als reine Materialdarbietung unentbehrlich, durch ein vor-zügliches Abbildungsverzeichnis auch katalogmäßig( mit Angabe derKriss'schen Inventarnummern) aufgeschlüsselt. Desgleichen ist der be-schreibende Text durch einen ausführlichen Anmerkungsteil fundiert,der weit über reine Literaturangaben hinaus weiterführende, oft kri-tische Bemerkungen enthält. Die Verbindungen zur motivmäßigen Be-trachtung von Gegenständen der Volkskunst( Möbel, Keramik usw.) sol-len dabei hervorgehoben werden, sie entsprechen der Tradition derbayerischen Volkskunstforschung in besonderem Ausmaß. Wünschens-wert wäre wohl nur die Ergänzung des Text- und Bildteiles durcheinige Karten gewesen. Einige ausgeprägte Opfergaben- Verbreitungenhätten sich auf diese Weise wohl verdeutlichen lassen, es wäre auchim Sinn der Arbeiten von Rudolf Kriss gewesen, der sein Hauptwerkin der ersten Auflage 1930 sogar mit dem Untertitel„ Beiträge zu einerGeographie des Wallfahrtsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Wallfahrtsbrauchtums 6) erscheinen ließ.
Freilich, das Buch von Kriss- Rettenbeck geht ja in vieler Hinsichteigene Wege, und ist nicht etwa nur als Nach- Interpretation der Samm-lung Kriss aufzufassen. Wenn man den Titel überdenkt, wird man dasvielleicht so ausdrücken dürfen: Bei Rudolf Kriss wäre im Fall der An-wendung des Ausdruckes„ Religiöser Volksglauben“ die Betonung wohlauf„ Volksglauben“ gelegen; bei Lenz Kriss- Rettenbeck liegt die Beto-nung entschieden auf dem Adjektiv, auf„ religiös". Die Kirche im Mit-telpunkt der alten Stadt, wie Abbildung 1( Nördlingen) dies zeigt, oderals überragendes Bauwerk im Streusiedelbereich um die Wallfahrt, wieman das( nicht sehr gute) Bild 2( Schildthurn) ansehen kann, das sinddie zentralen Phänomene, die Kriss- Rettenbeck herausarbeitet. Füreinen beträchtlichen Teil der Dinge dieses Bereiches sicherlich mit Recht.Durchaus aber nicht für alle, und nicht zu jeder Zeit.
Leopold SchmidtWill- Erich Peuckert, Ostalpensagen(= Europäische Sagen, BandIII) Berlin 1963. Erich Schmidt Verlag. 273 Seiten.
Ein weiterer Band der Serie, auf die bereits hier( ÖZV Bd. XVI/ 65,1962, S. 53 f.) hinzuweisen war. Diesmal allerdings ein für uns beson-ders wichtiger Band, da er in wesentlichen doch eine Sagensammlungaus Österreich darstellt. Gewiß bezieht Peuckert einerseits die nicht-alpinen Gebiete( Burgenland und Ostniederösterreich) mit ein und läßtanderseits die Ostalpen ungefähr beim Brenner aufhören, so daß dasOberinntal und Vorarlberg nicht mehr vertreten sind; vermutlich alsErsatz dafür bezieht er die Gottschee mit ein. Wieder handelt es sichum jene Sagen, die Peuckert aus den entsprechenden Fachzeitschriften,in diesem Fall so gut wie ausschließlich unsere österreichische und dieBerliner Zeitschrift für Volkskunde, ausgeschnitten und nach einer losenReihenfolge aneinandergeklebt hat. Bessere und schlechtere Aufzeich-nungen aus etwa einem halben Jahrhundert stehen also wahllos neben-einander, und die Anmerkungen verzeichnen fast nur die Quellenstelle,in seltenen Fällen auch einen Hinweis auf eine der geläufigen Sagen-sammlungen.
6) Rudolf Kriss, Volkskundliches aus altbayerischen Gnadenstät-ten. 2 Bde. Augsburg 1930 Wien 1933.
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