Rudolf Kriss, Sitte und Brauch im Berchtesgadener Land.( 2. Auf-lage) Illustrationen von Paul Ernst Rattelmüller. 247 Seiten, mit34 Abb. auf Tafeln. Berchtesgaden 1963, Verlag Berchtesgadener An-zeiger.
Die erste Auflage dieses Buches, die 1947 erschien, konnte in dieserZeitschrift( ÖZV Bd. 2/51, 1948, S. 209 ff.) noch Edmund Frieß freundlichbegrüßen und ausführlich würdigen. Kriss hat nunmehr das Buch instark erweiterter Form wieder vorgelegt, und man wird es in dieserForm, mit den guten Tafelabbildungen und den liebenswürdigen Zeich-nungen von Rattelmüller, als schönen Zuwachs zur deutschen Brauch-tumsliteratur Glossary ::: show glossary-entry tumsliteratur begrüßen können.
Die Erweiterungen stammen vor allem aus der Übernahme derwichtigsten Kapitel des früher( 1942) selbständigen Büchleins_ ,, DasBerchtesgadener Weihnachtsschießen und verwandte Bräuche". Damitist dieser umfangreiche und für das Berchtesgadner Land so wichtigeKomplex also in eine endgültige Brauchdarstellung des Gebietes miteinbezogen. Das heißt, daß verhältnismäßig junge und gegenwärtiglebende Formen einbezogen wurden, und dieses Prinzip hat Kriss auchauf das ganze Buch übertragen. Zu den verschiedenen älteren Be-gehungen hat er nunmehr auch die heute üblichen Formen, einschließt-lich der kirchlich gebilligten Texte dazugestellt, beispielsweise beim„ Herbergsuchen“. Gerade von den lebendigen Brauchformen konntenRattelmüller, Kriss- Heinrich und Schmid auch gute neue Aufnahmenherstellen, die für den gegenwärtigen Ablauf etwa des Buttenmanndl-Laufens, des Herbergsuchens, des Weihnachtsschießens, der Palmweihe,der Feuerweihe, der Bergknappen- Feste, des Almabtriebes, des Stuck-bettelns am Allerseelentag usw. ihr eigenes Zeugnis ablegen. ManchesBild, beispielsweise Abb. 8„ Der hl. Nikolaus bringt in der Gern denChristbaum ins Haus" wird man sich für die Entfaltung der Nikolaus-wie der Weihnachtsbräuche gut vormerken müssen, da Gleiches kaumin Photographien, sondern weit eher in Graphiken der Biedermeierzeitzu finden ist. Infolge der allerengsten Nachbarschaft ist das Buchauch besonders für die österreichische Brauchforschung von größterWichtigkeit.Leopold Schmidt
Ursula Wichert- Pollmann, Das Glasmacherhandwerk im öst-lichen Westfalen. Eine volkskundliche Untersuchung(= Schriften derVolkskundlichen Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, H. 13) 184 Seiten, 40 Abb. auf Tafeln. Münster 1963, VerlagAschendorff. DM 19,50
Die vorliegende, bei Bruno Schier gearbeitete Dissertation bedeuteteine freudige Überraschung: Eine sehr saubere Sammlungs- und Doku-mentationsleistung über ein praktisch ganz unbekanntes Gebiet. Dennwer von uns wußte schon etwas von Glashütten im Teutoburger Wald,die größtenteils von Glasmachern aus Böhmen, Bayern, Thüringen undHessen betrieben wurden und damit eine mitteldeutsch- altösterreichischeNote in jenes Waldgebiet trugen. Die vorzügliche Arbeit ist offenbarweitgehend nach Schiers Buch über die„ Kunstblume"( Berlin 1957)gearbeitet: Bedächtig wurde nach erfolgreicher Stoffsammlung der Stoffnach den beiden Hauptrichtungen der materiellen und der geistigenVolkskultur aufgegliedert. Für das Glasmachen mit allen Einzelheitender Hüttenbelegschaft konnte die Verfasserin sich an das bedeutendeVorbild von Josef Blau halten. Selbst die zunächst wenig versprechen-den Gebiete der sprachlichen Volkskultur, der Sage, des Liedes und des
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