Jahrgang 
67 (1964) / N.S. 18
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Fastenzeit und Ostern

Fastenandachten und Anbetungsstunden finden in allen Kir-chen statt. Durch die immer beliebter werdende Palmweihemußte diese aus der Stadtpfarrkirche zum Hl. Franz Xaver inden Hof des Kinderheimes verlegt werden, von wo aus der Zugmit den Palmbuschen den Weg durch einen Stadtteil zur Kirchenimmt. Der Palmsonntag als Vorfest von Ostern hat selbst in derStadt ein teilweise ländliches Gepräge, das in den Randpfarrenwie Göss und in der Arbeiterpfarre St. Josef in Donawitz zumAusdruck kommt. Palmzweige werden nach der Weihe an Bienen-häusern und ober den Stalltüren angebracht. Der Abend desGründonnerstages sieht in der Stadtpfarrkirche die feierlicheHandlung der Fußwaschung". Diese wird vom Dechant anzwölf alten Männern den Aposteln, die in Begleitung von zwölfangesehenen Bürgern in die Kirche einziehen, vorgenommen.Die Apostel sind mit barocken blauen Mänteln bekleidet, dieeinen goldgefaßten roten Kragen aufweisen. Nach der feierlichenHandlung werden die Greise zu einem Essen in den Pfarrhof ge-laden und von den zwölf Bürgern beschenkt 16).- Karfreitag-andachten und Grablegung vor den beleuchteten hl. Gräbernsind in allen Stadtpfarren und bei den Redemptoristen üblich..Am Nachmittag des Karsamstag kennt man in allen Pfarren derStadt die Fleischweihe, am Abend vor den Auferstehungs-feiern die Feuer- und Wasserweihe. Zur Fleischweihe gehen derDechant der Stadt und die Pfarrer der übrigen Kirchen oft weitan den Stadtrand, in heute teilweise verbautes Gebiet, das voreinem halben Jahrhundert noch rein bäuerlichen Charakter trug.So begibt sich der Dechant in die alte Knappensiedlung an derFeilhauerhube, der Pfarrer von Göss nach Prettach und Schlad-nitz, wo die Weihe an Wegkapellen stattfindet, ebenso der Pfar-rer von Donawitz in das Tal, einer heute noch, obwohl knapp amIndustrierand gelegen, rein bäuerlichen Landschaft. Der Pfarrervon Proleb, einer alten Randsiedlung des Kohlenreviers, mußsogar zur Fleischweihe auf den Veitsberg, einem verlassenenKirchort aus dem Mittelalter 17).

Die Wasser- und Feuerweihe erlebt ihren Höhe-punkt im Brunnhöfel des Stiftes Göss, das durch seine barocke

16) Fußwaschungen am Gründonnerstag werden außer in Leobennoch in Graz und Judenburg abgehalten. Diese Fuẞwaschung ist einRestbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Restbrauchtum aus der Jesuitenzeit, bemerkenswert, daß sie sich geradein Jesuitenkirchen, dazu gehört auch Leoben, erhalten konnte. Diebarocken Mäntel in Leoben scheinen noch Originalstücke zu sein.Hans Commenda, wie Anm. 11, Seite 170-171.

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17) Leopold Hörl, St. Veit am Veitsberg bei Leoben, Leoben 1926.