„ Maler Rupert Grießl sen." aus Wildalpen fertigten dort imJahre 1908 das heilige Grab an. Aller Wahrscheinlichkeit nachhat der ältere Grieß die zirka 80 cm lange Christusfigur ge-schnitzt und die Bemalung durchgeführt 10).
Aber nicht nur die besondere Geltung der Krippenfigurenim Ablauf des kirchlichen Jahresbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Jahresbrauchtums regte Grießl an,seine geschickten Hände für ihre Gestaltwerdung einzusetzen.Auch die stille, im häuslichen Lebensbereich wirkende Ver-ehrung der Madonna von Lourdes forderte ihm Leistungen ab.Im eigenen Hause seines Sohnes, das sich dieser unweit des„ Mesnerhäusls" in Wildalpen, aus dem er stammte, erbauen ließ,fand ich im Sommer 1962 eine von Grießl geschnitzte Grotte,in der eine Maria von Lourdes zur Verehrung aufgestellt ist( Abb. 1). Die jetzigen Besitzer des Hauses halten die Andachts-Plastik nach wie vor in Ehren. Die Höhe der Grotte beträgt47 cm, die Größe der zu Maria betenden Frau 15 cm. Sollte mitihr die Bernadette gemeint sein, so hat Grießl sie jedenfalls indie ihm vertraute bäuerliche Kleidung gehüllt. Grotte und weib-liche Figur sind farbig gefaßt. Das Innere der Höhlung ist außer-dem mit einem Klebemittel bestrichen und mit glitzerndenFlitterstäubchen bestreut. Maria wird durch eine der im Handelüblichen Porzellan- Figuren dargestellt. Ein dem abgebildetenObjekt ganz ähnliches nur etwas kleineres Stück( Höhe 28 cm)befindet sich im Besitz des österreichischen Museums für Volks-kunde 11).
Ob Rupert Grießl nach Vorbildern arbeitete und wenn ja,woher er sie holte, ist uns bis jetzt noch nicht bekannt. Für dieFormgebung der Lourdes- Grotte möchte ich aber doch auf einemögliche Vorlage hinweisen. Während meiner Wildalpen- Wan-derung im Sommer 1962 konnte ich ein Marter1 fotografieren,dessen zur Andacht rufendes Bild motivlich ganz genau mitGrießls Arbeiten übereinstimmt( Abb. 2). Es handelt sich umeinen Druck in grau- braunen Tönen von unbestimmbarem Alterund unbekannter Herkunft. Die Möglichkeit, daß er aus demAnfange unseres Jahrhunderts stammt, in der dortigen Gegendverbreitet und Grießl daher bekannt war, scheint durchaus ge-geben. Das Marterl steht an der Straße Erzhalden- Wildalpen,knapp außerhalb von Erzhalden an der linken Straßenseite.
10) Wie Anm. 8).
11) OMV Inv. Nr. 60.689,( vermittelt durch die Verfasserin), als Wid-mung des früheren Besitzers Herrn Balthasar Heigl aus Göstling an derYbbs, dem an dieser Stelle bestens für die Überlassung des Objektesgedankt sei.
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