Räucherungen mit der Haut eines Igels galten ebenfalls alsgutes Mittel gegen den Rotlauf, besonders gegen die Gesichts-rose. 74) Äußere und innere Körperteile des Igels finden in derVolksmedizin überhaupt häufig Verwendung. Schon Dioskurides( i. Jh. n. Chr.) kennt als Mittel gegen den Haarausfall eineMischung von verbrannter Igelhaut mit Teer. 75) Die Slowakenkennen ein Räucherungsmittel gegen Zahnweh:„ Reiße eine Rose,die zuerst blüht, ab und trockne sie; oder fange vor dem hl.Georgstage einen Igel und trockne die ihm abgezogene Haut.Wenn dich ein Zahn schmerzt, zerstoße beides, gib es auf glühendeKohlen und beräuchere dir damit den Kopf". 76)
Ebenso wie der Igelhaut werden auch der Leber und Milz,dem Fleisch und dem Fett des Igels heilsame Kräfte zugeschrieben.
Auch andere Räucherungen, mit Kampfer 77) oder mit demBalg einer Natter 78), werden gegen Rotlauf empfohlen. Immerwieder verbindet sich mit dem Naturheilmittel eine magischeHandlung, wie im folgenden Rezept:„ Nimm im Frühlinge diedrei ersten Zweiglein von Holunderblüten, die du ansichtig wirst,siede sie in einem neuen Hefen mit einem halben Maß Milch aneinem Freitage früh und trinke sie so warm als möglich; dieswiederhole drei Tage nacheinander, allemal mit frischerHolunderblüte“. 79) Holundertee als reines Naturheilmittel, mitEssig oder Zitronensaft vermengt, stand als schweißtreibendesMittel auch bei Rose und Rotlauf in großem Ansehen. 80)
Verschiedene salbenartige und pflasterartige Mischungen ge-hören zu den beliebtesten Mitteln gegen Rotlauf. So beschreibtR. Pramberger für die Steiermark die seltsamsten Zusammen-setzungen:„ Schmiere dich mit Schmalz an und streue gut roggenesMehl darauf" und:„ Nimm in einer Milch eine Spinnweben, legsolche auf, wo es vonnöten ist, tu aber nichts Nasses dazu". 81)„ Ein gutes Pflaster für den Rotlauf", ebenfalls aus einem steiri-schen Arzneibuch, vermischt verschiedene wachsartige und öligeStoffe, wie Hirschunschlitt, Jungfernwachs Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfernwachs und Terpentin in
74) Hsl. Ferk- Archiv am StVKM, Eibiswald und Gottschee.75) O. Hovorka- A. Kronfeld, Vergleichende Volksmedizin I,Stuttgart 1908, S. 223.
76) Ebendort, II. Bd., S. 839.
77) R. Pramberger, a. a. O., II, S. 320.
78) Hsl. Ferk- Archiv am StVKM, Anger.
79) R. Pramberger, a. a. O. II, S. 320 f., Nr. 1723.
Kunst und Wunderbuch oder/ Verborgene Geheimnisse/ welche einsterbender Vater/ seinen Kindern übergeben.... Nürnberg 1786, S. 113.80) Ch. J. Mellin, a. a. O., S. 62 f.
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81) R. Pramberger, Volksmedizin II, S. 321, Nr. 1725.