Von ihrer Votivsammlung sind die Votivbilder fast vollstän-dig erhalten. Von diesen stammen 45 aus Ach a. d. Salzach( Ober-österreich), meist aus der Hinterlohner Kapelle, 10 aus salzbur-gischen Wallfahrtsorten und 20 aus Tirol. Die Votive aus Eisenund Ton sind z. T. aus dem Schutt des ausgebombten Magazinswieder ausgegraben. Soweit sie identifiziert werden konnten,stammen 15 eiserne Opfergaben aus Österreich. Votive aus ande-ren Materialien sind dagegen vernichtet.
Die neuangefertigten Hausmodelle füllten allmählich denletzten Raum immer mehr. so daß Brunner bereits 1914 die beidenösterreichischen Räume 12 und 13 für die vergleichenden Sammlungen hinzunahm und in vier( später sechs) landschaftlichen Räu-men zusätzlich je eine Gruppe unterbringen mußte. Ein deutlichesZeichen für die wachsende Raumnot. Neu waren 1914: Spinnenund Weben, Beleuchtungsgeräte( nach Wiener Vorbild), Decken-gehänge und schließlich Geräte für Landwirtschaft und Viehzucht.Die letzte Gruppe war offensichtlich durch Eduard Hoffmann-Krayer angeregt, der in seinem Vortrag über ein Museum fürprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Ergologie auf dem Kongreß für sachliche Volkskundein Graz( 1909) nicht nur die ergologische Thematik Jomards er-heblich erweitert sondern vor allem eine grundlegende Einteilungder landwirtschaftlichen Geräte nach dem Arbeitsablauf gegebenhatte 26). Außer in Basel wurden sie z. B. auch in Graz gesondertaufgestellt.
Nach dem Ausscheiden Brunners( 1928) hat Konrad Hahm( 1892-1943) das Museum aus den engen und bedrückenden Ver-hältnissen herausgeführt und eine umfassende Neuorganisationunternommen. Als Referent des Reichskunstwarts Edwin Reds-lob im Ministerium des Innern hatte er sich die notwendige Ge-wandtheit angeeignet, um sich sofort den ersten Assistenten undeinen ausreichenden Etat zu verschaffen, so daß nun ein systema-tisches Sammeln möglich war. Auch Gegenstände aus Österreichwurden erworben: erhalten ist z. B. eine buntbemalte Kommodeaus Waidhofen a. d. Ybbs( von etwa 1825). Hahm begann mit einerwissenschaftlichen Auswertung der Bestände unter dem Gesichts-punkt der damals gepflegten Volkskunstforschung, mit der Haber-landt bereits 1910 begonnen hatte. In der Reihe„ Deutsche Volks-
In
26) E. Hoffmann- Krayer, Ideen über ein Museum für primi-tive Glossar ::: zum Glossareintrag tive Ergologie,( Museumskunde, Bd. 6, Berlin 1910, S. 113-125)Budapest, wo die Sachgüter der Volkskunde ebenso wie in Basel eineAbteilung der Völkerkunde bildeten, war bereits einige Jahre früherdie Thematik Jomards in gewissem Umfange auch für die ungarischeAbteilung angewendet worden, vgl. ZföVk 15, 1909, S. 207, und 23, 1917,S. 90.
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