Dem großen Aufwand an Bildern steht auch viel Text gegenüber.Davon ist zunächst die Einbegleitung von Franz Lipp zu nennen, dieeinen sehr geglückten Abriß der oberösterreichischen Volkskunstfor-schung, ihrer Geschichte und ihrer Eigenart darstellt. Was das For-schungsgeschichtliche betrifft, so möchte ich nicht verschweigen, daß ichim Gegensatz zu Lipp die Leistung v. Preens bedeutend höher ein-schätze, als die Kislingers( S. 9). v. Preen, von dem hier gesagt wird,das Volkstum sei für ihn irgendwie doch noch wertvolle Rarität undKuriosität gewesen, war einer der Begründer der neueren Volks-kunstforschung überhaupt, ein Sammler von hohen Graden, wie dieMuseen von Berlin, Linz. Wien und Braunau bezeugen können. Einhalbes Jahrhundert nach v. Preen war es nicht mehr so schwer, dievon ihm entdeckten Bereiche der Volkskunst nun wieder zu begehen.Aber sonst, wie gesagt, ist Lipps Darstellung sehr einleuchtend, auchihre Ausblicke auf eine kommende Volkskunstgeographie erweisenLipp als im Zentrum der Forschung stehend; hoffentlich wird er seineeigenen dahinzielenden Forschungen, besonders zur oberösterreichi-schen Möbelmalerei, auch bald gesondert vorlegen.
Der eigentliche Text des Buches, der Kommentar zu den Bildernsozusagen, stammt von dem volkskundlich begeisterten KunsthistorikerOtfried Kastner, und Helene Grünn hat mit Methodik und Ge-nauigkeit zu seiner Gestaltung viel beigetragen. Wir werden mit denGegenständen von Kislingers Bildern vertraut gemacht. Mit den Bau-ernhäusern und ihren Nebengebäuden; mit den bäuerlichen Innen-räumen; mit deren Möbeln, für die hier vor allem auf Grund derbayerischen Möbelforschung und der Vorarbeiten Lipps erste Gruppie-rungen versucht werden; mit Hausrat und Gerät, wobei dem eigent-lichen Arbeitsgerät noch wenig Raum gegeben wird, Kislinger hat keinrechtes Auge für die reine Form, für die Gerätegestalt, sondern eherfür das Dekor, für das ornamental oder figürlich ausgezierte Werk;dann mit der Tracht, die freilich nur ganz kurz, eben nach den Deko-rationsmotiven, behandelt wird; mit dem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, wobei das Jahres-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum um Geburt, Hochzeit und Tod, und die Volksfrömmigkeitvoneinander getrennt werden. Für letztere fällt ziemlich viel ab, auchAmulette, Breverln und Votive. Sogar Eisenopfer aus der SammlungDusch in Ischl kommen vor( Abb. 150), die freilich aus der Gosaustammen und eigentlich salzburgischer Herkunft sein dürften. Aber soähnlich steht es ja öfter. Unter den Geräten finden wir beispielsweiseeine Reihe von Wetzsteinkumpfen aus der Spiegelsammlung in Eng-leithen( Abb. 97): da ist wohl kein einziges oberösterreichisches Stückdarunter, wohl aber einige südtirolische, vielleicht auch schweizerische.Man muß in solchen Fällen an einen Satz in der Einleitung Lipps zu-rückdenken: Das Werk verzichtet auf den Anspruch, eine systema-tische Darstellung der Volkskunst Oberösterreichs zu sein“( S. 19).Immerhin hätte der Benützer doch einen gewissen Anspruch darauf,wenigstens ein typenmäßig gegliedertes Material vorgesetzt zu be-kommen. Es gibt in Oberösterreich ganz bestimmte Wetzsteinkumpf-formengruppen, von denen manche, beispielsweise die des Pyhrnbahn-gebietes, auch volkskünstlerisch ausgezeichnet sind. Das müßte hieralso hervortreten, wogegen Stücke, die dem Land und seinem Geräte-typenschatz gar nicht angehören, eben nicht aufzunehmen waren.
Der Text samt den Anmerkungen, durch die Helene Grünn dieAusführungen Kastners zu stützen und zu klären versucht hat, kannalso auf all jenen langen Strecken nicht viel bieten, auf denen ebennoch wenig systematisch gearbeitet worden ist. Kastner erweist sich
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