und auf besondere Anregung von Nikolaus Grass die Almwirtschaft imwestlichsten Tirol zu bearbeiten begonnen. Stärker als alle seine Vor-gänger konnte er sich auf die schweizerischen Vorarbeiten stützen, diegroße Aufarbeitung des Graubündner Alpwesens durch Richard Weißhat hier eine schöne Frucht ergeben. Moritz behandelt im ersten Teildas Weidewesen, zunächst außerhalb der Alm, dann auf der Alm, mitder ganzen Arbeit zwischen Auftrieb und Abtrieb, mit Schafscheiden,Sennlohnversammlung, Almsegnung usw. Im zweiten Teil, der wesent-lich der Richtung der Almrechtsforschung verpflichtet ist, wird die Alm-markgenossenschaft Stanzertal ausführlich dargestellt. Entstehung undZusammenschrumpfen dieser Almmarkgenossenschaft werden genaudargestellt. Man wird es bei so viel rechts- und wirtschaftsgeschicht-licher Einstellung besonders begrüßen, daß Moritz doch das rein Sach-volkskundliche im ersten Teil anschaulich und gewissenhaft eingefangenhat. Einige Strichzeichnungen und Lichtbilder illustrieren die Darstel-lung. Stimmungsmäßig unterstreichen zwei vorzügliche Federzeich-nungen von Max Weiler den Gehalt der an sich schlichten Darbie-tung, die mit mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit gemacht ist alsmanche ähnliche Arbeiten.Leopold SchmidtOstern in Tirol. Unter Mitarbeit mehrerer Fachgelehrter herausgegebenvon Nikolaus Grass(= Schlern- Schriften, Bd. 169). 350 Seiten,mit 23 Bildtafeln. Innsbruck 1957, Wagner.
Vor einiger Zeit habe ich gelegentlich( Volkskunde als Geistes-wissenschaft, S. 14) ausgeführt, daß die Osterbräuche eigentlich verhält-nismäßig wenig behandelt würden. Das scheint nunmehr schon allge-meiner empfunden zu werden, die Arbeiten über Ostern mehren sich.Der Innsbrucker Rechtshistoriker Grass hat auch in diesem Fall, wiein manchen anderen schon, die Initiative ergriffen und einen stattlichenBand zuwegegebracht, dessen Beiträge vorwiegend den kirchlich be-stimmten Osterbräuchen in Tirol gewidmet sind. Eine einleitende Über-schau von Nikolaus Grass, Marie Grass- Cornet und RudolfMellitzer versucht das gesamte österliche Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum kirchlicher undweltlicher Art darzustellen. Josef Ringler, der berufene Spezialist,behandelt die„ Tiroler Fastenkrippen", mit besonderer Berücksichti-gung der Krippen des Franz X. Niẞl und der Sterzinger Krippen-schnitzerfamilie Probst. Die figurenreiche„ Fastenkrippe in der Kirchevon Götzens" bearbeitet Alois Molling: es handelt sich um bemaltePapierfiguren. Marie Grass- Cornet schreibt über„ Palmesel undtanzende Engel"( der„ Engeletanz" gehört Christi Himmelfahrt zu).Ausführlich und belegreich behandelt Anton Dörrer„ Heiliggräber,Grabandachten, Karwochenspiele“, nicht zuletzt im Hinblick auf dieheutigen Tiroler Passionsspiele. Wieder wird dem zusammenfassendenArtikel die Spezialbehandlung gegenübergestellt: Nikolaus Grassbearbeitet sehr ausführlich die„ Barock- Heiliggräber". mit reichemarchivalischen Material. Die schönen Bildbeigaben der barocken Heilig-grab- Architekturen von Wilten, Bozen und Lienz zeigen, daß es sichhier um nichts landschaftlich Gebundenes gehandelt hat. Es steckt daein gutes Stück bisher wenig beachteter barocker Theater- und Archi-tektur- Geschichte drin. Grass nähert hier wie auch in anderen Arbeitenseine brauchgeschichtlichen Studien der Kunstwissenschaft an. In dernächsten Studie, der über„ Die Heiliggrab- Bruderschaft zu Nauders"dagegen kann er das reiche Material archivalischer Art über eine der-artige religiöse Vereinigung vorlegen, samt Ausgabebelegen, Mitglieder-
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