Jahrgang 
61 (1958) / N.S. 12
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Sankt Ursula auf der Platl,

Sankt Kathrin auf der SchartUnd Sankt Vilge auf'n JochHalten alle Wetter auf

Und treiben die Hexen ins Loch ³).

Der 26. Juni hatte auch im alten Rußland beim Volke Bedeutung.Er hieß nach der Muttergottes von Tichwin( östlich von St. Petersburg)Die Tichwin'sche Beerenfreundin". Alexis Yermoloff berichtet: ,, InSibirien besprengt man am Tage der heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau die Pferde mitWeihwasser. Man nennt dort den 26. Juni auch Nikolaus den Alltäg-lichen, obzwar an diesem Tage kein Heiliger namens Nikolaus gefeiertwird 4).

Diese Nachrichten aus dem alten Rußland sind eine Bestätigungdafür, daß die alten bairischen Chroniken, daß der Linzer HistorikerZibermayr und der Wiener Historiker Mitscha- Märheim recht haben,wenn sie erklären, die Baiern seien aus dem Osten gekommen und nichtaus Böhmen 5). Bekanntlich war im alten Baiern( und Österreich undim langobardischen Italien) der 26. Dezember, der Stefanstag, der großePferdstag mit seiner Pferde- und Haferweihe. Und der 26. Juni isteben der Gegentag dazu. Er liegt im Jahreskreise dem 26. Dezembergegenüber. Der 26. Dezember hat im Kalender der Ostkirche nicht denhl. Stephanus, sondern die Muttergottes. Daher am Gegentage das Festder Muttergottes von Tichwin. Und trotz der verschiedenen Bezeichnungder Tage im griechisch- orthodoxen und im römisch- katholischen Kalenderist die Pferdeweihe am 26. geblieben.

Wir wollen hier zwei Sprüche aus dem alten Rußland bringen,denn es wäre nicht ganz unmöglich, daß sich die entsprechenden inBaiern noch finden lassen:

Am Tage der Tichwin'schen fängt die Erdbeere an zu reifenund ruft die hübschen Mägdlein in den Wald."

,, An der Tichwin'schen fliegt die Biene aus und sammelt in denHöschen Honig.

2. Legende

Johannes und Paulus waren leibliche Brüder von vornehmer Ab-kunft zu Rom und standen im Hofdienste der heiligen Constantia, derTochter des Kaisers Konstantin des Großen. Von der Prinzessin erbtensie große Reichtümer, wovon viele Arme Wohltaten erhielten. KaiserJulian der Abtrünnige wollte die beiden Brüder an seinen Hof nehmen.Sie lehnten aber die Ehrenämter ab mit der Erklärung, sie könnten beidem nicht sein, der von Jesus Christus abgefallen wäre. Sie erhieltenzehn Tage Bedenkzeit. Am elften Tage kam der Befehlshaber der kaiser-lichen Leibgarde mit einer goldenen Statue des Jupiter_und dem Be-fehle, sie müßten den Gott anbeten und ihm opfern. Da die beidenBrüder dieses Ansinnen mit Entrüstung zurückwiesen, wurden sie inihrem eigenen Hause enthauptet und dort ihre Leichname vergraben,3) Hörmann, Wetterherren und Wetterfrauen in den Alpen( Zeitschrift des dt. u. öst. Alpenvereines 1907, S. 101).

4) Alexis Yermoloff, Der landwirtschaftliche Volkskalender.Leipzig 1905.5) Ignaz Zibermayr, Noricum, Baiern und Österreich. 2. Aufl.Horn 1946.

Herbert Mitscha-Märheim, Die Herkunft der Baiern( Mitt.d. anthropol. Ges. in Wien 1950, S. 213-244).

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