Arbeitsruhe oder gar Arbeitsverbot markiert 9). Die Männer-arbeit im Walde hat an dieser Winterhalbzeit zu ruhen, etwasNeues steht unmittelbar vor der Tür. Bemerkenswerterweisewird dieses Neue weltlich als„ Vogelhochzeit“, geistlich als Vor-ankündigung von Mariä Vermählung( 25. Jänner) angesprochen.Auch das Männerfest der Holzarbeiter hatte eine geistliche undeine weltliche Seite. Als echtes Fest im mittelalterlich- euro-päischen Sinn war es einerseits durch den Zunftgottesdienst mar-kiert 10). Zumindest die Erinnerung daran hat sich sowohl aufder niederösterreichischen Seite, im Wechselgebiet, erhalten, wieauch im Burgenland. In Oberkohlstätten hatten die Holzhackerwie die ihnen zunftverwandten Zimmerleute ihr Amt in derKirche, in Windisch- Minihof wird für sie an dem Tag eine Messegelesen. Aus Burgauberg wird berichtet, daß die Ortsbewohneram 22. Jänner auf den Vincenzi- Jahrmarkt nach Stegersbachgehen, wo angeblich der hl. Vincenz Viehpatron ist. Sie besorgendort ihre Einkäufe, danach wird im Gasthaus gegessen und ge-trunken. Nun ist der hl. Vincenz in Stegersbach nicht eigensPatron, es handelt sich offenbar um eine den Gewährsleuten nichtmehr geläufige eigene Vincenzfeier, die mit einem Amt in derStegersbacher Kirche verbunden war. Eine genauere Erforschungder alten Meẞstiftungen könnte hier wohl noch besser Aufschlußgeben. Zu dieser geistlichen Seite des Festes trat aber anderseitsdie weltliche, die charakteristische Festfeier mit Mahl und Trunk,mitunter auch mit Tanz 11). Wir hören da von örtlich verschie-denen Ausformungen. Am deutlichsten in ihrer Eigenart warenoffensichtlich die Vincenzifeiern im Oberwarter Bezirk. Die Holz-arbeiter feierten dort, in Glashütten und in Oberkohlstätten,zunächst im Wald, also an ihrer Arbeitsstätte, wohin sie sich ausden Gasthäusern Wein holen ließen. Abends kam dann die allge-meinere fröhliche Nachfeier im Wirtshaus, zweifellos auch mitMahl und Tanz. Der Tanz als wesentliches Festelement wirdbesonders von den Holzhackern auf der Rosalia gemeldet. ImBereich des barocken Heiligtums auf diesem Grenzberg hat sichoffensichtlich ein eigener Brauchstil für die dort ansäßigen Holz-arbeiter herausgebildet, das Fest ist dabei so lebendig geblieben,
9) Vgl. Wolfgang Treutlein, Das Arbeitsverbot im deutschen(= Bausteine zur Volkskunde und Religionswissenschaft, Bd. 5). Bühl-Baden 1932.
10) Vgl. Heinrich Isenberg, Altes Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im Handwerk.Bd. II. Religiöses Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum. Münster 1936.
11) Zum Festtypus vgl. Karl Spieß, Das arische Fest. Wien 1933( Sonderdruck aus Bausteine zur Geschichte, Völkerkunde und Mythen-kunde, III. Jg., Heft 1).
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