Literatur der Volkskunde
Rudolf Kriss, Die Volkskunde der Altbayrischen Gnadenstätten.Bd. 1( Oberbayern) 1953: 295 Seiten; Bd. 2( Niederbayern, südlicheOberpfalz und österreichisches Innviertel) 1955: 339 Seiten; Bd. 3( Theorie des Wallfahrtswesens) 1956: 375 Seiten, 189 Abb.4 Karten. München- Pasing, Filser- Verlag.
und
1930-1933 ist dieses Hauptwerk der deutschen Wallfahrtsvolks-kunde unserer Zeit zuerst erschienen. Sein erster Teil, die großartigeStoffsammlung„ Volkskundliches aus altbayerischen Gnadenstätten“ istgenügend bekannt, sein zweiter Teil, Die religiöse Volkskunde Alt-bayerns", eines der förderlichsten Bücher jener Jahre, fast tot-geschwiegen worden. Jedenfalls war es durchaus richtig, das Werk nachzwanzig Jahren noch einmal herauszubringen, vielleicht wird es jetziin seiner geschlossenen neuen Form sich stärker zur Geltung bringenkönnen.
Die Stoffsammlung ist durch verschiedene Nachträge vermehrtworden. Im allgemeinen sind nur die positiven Veränderungen an denGnadenstätten festgehalten, zumal der interessante Neuwuchs nach demKrieg, die neuen Votivtafeln, von denen auch einige im 3. Band abge-bildet sind. Die Wallfahrtszerstörungen sind nur, soweit sie dem Ver-fasser zur Kenntnis gebracht wurden, in den Nachträgen erwähnt. Dertheoretische Teil des Werkes ist bei weitem stärker erweitert und ver-ändert. Hier hat sich Kriss vor allem in der Einleitung mit den neuerenreligionswissenschaftlichen Forschungen, besonders den Arbeiten vonVan der Leeuw, Mensching und Jensen auseinandergesetzt und wie vorzwanzig Jahren damit eine lebendige Verbindung unserer Forschung mitder gegenwärtigen religionsgeschichtlich- ethnologischen Fragestellunggeschaffen. Auch in den einzelnen Kapiteln, die das Wallfahrtsbrauch-tum Glossary ::: show glossary-entry tum, das Opferwesen aller Art besprechen, sind zahlreiche derartigeErweiterungen aufgenommen, die sich fast durchwegs in sehr positiverArt mit den neueren Forschungen zum Wachsopfer, zum Votivbild, zumHammeropfer usw. auseinandersetzen. Gerade über die einzelnen Votiv-gruppen und ihre kulturhistorischen Beziehungen werden sich mit derZeit noch manche Diskussionen ergeben, es zeichnen sich da allmählichneue Ausblicke nach den verschiedensten Richtungen ab. Das Buch vonKriss läßt in seiner vornehmen, loyalen Art alle Möglichkeiten fürdiese zukünftige Arbeit offen.
Das stattliche Werk ist leider nicht im Buchdruck, sondern in einemjener ,, modernen Verfahren hergestellt, die das Lesen nicht erleichternund den Bücherfreund, der eben auch eine gute Ausstattung liebt, ver-grämen. Das angeblich billigere Herstellungsverfahren schädigt beson-ders die Abbildungen, die nur recht schwach zur Geltung kommen. DieKarten, die dem 3. Band eigens beigelegt sind( 1. Verbreitung dereisernen Opfergaben; 2. Karte zur Verbreitung der„ seltenen" Opfer-gaben in Altbayern; 3. Verbreitungskarte der Votivkröte und Stachel-kugel; 4. Karte zur Verbreitung des Quellenkultes in Altbayern;
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