Jahrgang 
60 (1957) / N.S. 11
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früher hier auch Wachsvotive dargebracht worden seien, doch seidie Sitte in den letzten Jahren ausgestorben und die alten Formenhabe man nicht aufbewahrt.

Ich besuchte den Ort noch ein zweites Mal am Sonntag nachOstern, um das Haupt- Wallfahrtsfest auch persönlich sehen zukönnen. Vor der Kirche waren verschiedene Buden aufgeschlagen,wo im allgemeinen nur Eßwaren dargeboten wurden. Meine Hoff-nung, die bäuerliche Bevölkerung in Tracht sehen zu können,wurde allerdings enttäuscht; die meisten Pilger trugen nur in-differentes Zivil. Zum Hochamt erschien der Bischof von Algheropersönlich und als er nach dem Pontifikalamt, angetan mit einemgoldgestickten Rauchmantel, das Gnadenbild in Händen, zu einemkleinen Rundgang aus der Kirche heraustrat, bot seine Gestaltim Verein mit den übrigen in gold- brokatene Gewänder geklei-deten Geistlichen im hellen Sonnenlicht ein eindrucksvolles Bild.Es ist noch zu sagen, daß das Fest bei weitem nicht die Ausmaßeerreicht, die man von anderen Volksfesten auf der Insel ge-wohnt ist.

Auf einem schmalen Weg kann man das 15 km östlich vonSassari gelegene, kunstgeschichtlich bedeutsamste Bauwerk Sardi-niens mit dem Auto bequem erreichen, welches auch in unseremZusammenhang einige Beachtung verdient. Ich meine die AbteiSanta Trinità di Saccargia. Die Kirche liegt außerordentlichmalerisch in einer breiten Wiesenmulde. Dem Hauptportal derBasilika, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, ist eine aus dreiBögen bestehende Halle vorgelagert, deren Säulenkapitelle mitin Stein gehauenen Rindern geschmückt sind( Abb. 17). Ich habebereits einmal erwähnt, daß meiner Ansicht nach dem Rinder-Motiv in der sakralen Überlieferung Sardiniens eine besondereBedeutung zukommt. Bei der Darstellung des Efisio- Festes werdenwir auf dieses Problem noch ausführlicher zurückkommen. DasInnere der Kirche stellt einen einschiffigen Bau dar mit einemQuerschiff und drei Apsiden. Das Langhaus besitzt noch die alteoffene Dachkonstruktion. In der Apsis hat sich ein Freskenzyklusmit Passionsszenen erhalten, darüber gewahrt man die Apostelmit der Muttergottes, im Mittelpunkt ein segnender Christuszwischen Engeln und Erzengeln. Links im Presbyterium steht einesehr merkwürdige Figur der Muttergottes, eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Schnitz-arbeit, mit einem silbernen Brustschild aus getriebenen Orna-menten und einer Krone aus Messing( Abb. 18). Hier findet zwei-mal im Jahre ein größeres Fest statt, und zwar am 13. Juni und25. Dezember. Bei ersterem wird nach der kirchlichen Feier imFreien getanzt. An die Kirche schloß sich einstmals ein großes

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