über das 19. Jahrhundert zurückreichen. Jedoch sind die Votiv-tafeln nicht einmal das Hauptcharakteristikum dieser Wallfahrt,ich fand deren weit mehr und für den Typus des Landes charak-teristischere in dem Wallfahrtsort Valverde bei Alghero und er-spare mir deshalb den Hinweis auf die sardischen Votivmalereiauf die Beschreibung dieses Ories.
Für Oristano sind die figürlichen Wachs- und Holzvotive das,was am meisten in die Augen springt. An der unteren Hälfte derWand hängen nämlich im selben Raum an Nägeln viele hundertevon hölzernen und wächsernen Opfergaben, wobei Arme undBeine, Hände und Füße alle anderen Formen überwiegen. Unterihnen gibt es solche mit und solche ohne Wunden und Krankheits-darstellungen. Nicht viel weniger zahlreich sind die hölzernenund wächsernen Brüste, ebenfalls mit und ohne Darstellung krank-hafter Erscheinungen. Frauenbrüste aus Holz und Wachs fand ichin der Folge noch an vielen anderen Wallfahrten Sardiniens. Siegehören zu den am zahlreichsten vertretenen Opfergaben desLandes und viele von ihnen zeigen sogar Spuren von Krankheitenin Form von rot und blau aufgemalten Flecken und entsprechen-den Einkerbungen. Da gerade diese Opfergaben in den andereneuropäischen Ländern sehr selten sind, so liegt der Schluß nahe,daß Brustleiden bei den Frauen Sardiniens häufiger vorkommenals anderswo. Leider habe ich es bei meiner Reise versäumt, etwabei einem Arzt, nähere Erkundigungen über diese Sache einzu-holen.
Vor dem Besuche von Madonna di Rimedio hatte ich bereitsmehrere andere Wallfahrten gesehen, doch entdeckte ich hierzum erstenmal auch Tier- Votive, primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv aus Holz geschnitzteRinder und Pferde und Schweine, alle mit natürlichen Farbenbemalt. In neuerer Zeit sind sie abgekommen und an ihrer Stelleopfert man einfach Spielerei- Pferde, grau gefleckte Apfelschimmelauf einem Rädergestell, billige Massenerzeugung, wie man sie inden Spielwarengeschäften in Oristano jederzeit erwerben kann,wovon ich mich am nächsten Morgen überzeugen konnte. Hier wiedort handelt es sich um genau dieselben Exemplare, so daß ichdaraus die Feststellung ableitete, daß die Wallfahrer bestimmteObjekte, die sie in den Devotionalienhandlungen nicht mehrfinden, sich eben in einer Spielwarenhandlung besorgen. Zu denSeltenheiten gehört ein vollplastisches Herz, ein Ohr in natür-licher Größe und zwei Holzköpfe, wovon einer ebenfalls in Natur-größe beinahe porträtartig einen Frauenkopf wiedergab. Zahl-reiche wächserne Wickelkinder hängen fernerhin in allen Größenan den Wänden. Auch Pferdehufe aus Holz und einen hölzernen
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