krieges zum Opfer fiel, völlig verschwunden, auch an jenen Wall-fahrtsorten wie z. B. Madonna del Arco, wo ich sie vor einemVierteljahrhundert noch feststellen konnte); immerhin werdenhier in Gestalt flach gepreßter silberner Platten wenigstens nochmenschliche Figuren, Gliedmaßen, Körperteile und Organe an-geboten. In den Wallfahrtsorten Siziliens konnte ich 1954 im Be-reich der Diözese Palermo auch noch vollplastische Wachsvotive,menschliche Figuren, Haustiere, Gliedmaßen und Körperteile fest-stellen, genau so wie bei meinem ersten Aufenthalt im Jahre 1950.Die in meinem damaligen Aufsatz erwähnte WachsziehereiCocchiara in der Via Bambinai in Palermo stellt sie ebenfalls ingenau derselben Weise her wie vor einem Vierteljahrhundert.Dagegen wurden sie in der Diözese Syrakus vor kurzem ver-boten und zwar anscheinend mit solchem Nachdruck, daß dieeinzige Wachszieherei in Syrakus, die solche Gegenstände her-stellte, unlängst sogar ihre Modeln vernichtet hat. Aus demselbenGrunde ist heute auch die außerordentlich votivreiche WallfahrtSan Sebastiano in Mellili, etwa 20 km nordöstlich von Syrakus,ihres einstmals so großen Reichtums an geformten Wachsvotivenberaubt worden. Einzig in einem Nebenraum der Kirche konnteich einige wenige figürliche Wachsopfergaben und Gliedmaßen,die einzuschmelzen oder zu vernichten man vergessen hatte, fest-stellen.
Im Gegensatz zu diesen traurigen Verhältnissen auf demitalienischen Festlande, besitzt Sardinien noch immer vollplasti-sche Wachsopfer und handgeschnitzte Votivgaben in großer Zahl,deren Beschreibung später an geeigneter Stelle nachfolgen soll..Nur die Wallfahrten im Bereich der Diözese Nuoro machen hiereine Ausnahme, da der neuernannte junge Bischof vor einigenJahren ihre Verwendung gleichfalls untersagte. So kommt es, daßgerade die ältesten und abgelegensten bäuerlichen Wallfahrtsortein der Landschaft Barbagia mir in dieser Hinsicht eine große Ent-täuschung brachten, eine Feststellung, die ich beim Besuch derberühmten Gnadenstätte San Antine von Sedilo als besondersschmerzlich empfand, da der Ortspfarrer die hier besonders zahl-reichen Opfergaben gerade ein Jahr vor meiner Ankunft ver-brannt hatte.
Ich will jedoch der anschließenden Einzeluntersuchung nichtvorgreifen und möchte an dieser Stelle nur noch darauf hin-weisen, daß die sardische Urbevölkerung von den ältesten Zeitenan für das Votiv- Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum eine besondere Affinität besessenhat. Jedermann kennt die berühmten Bronze- Votive aus derGlanzperiode der eigenständigen sardischen Kultur, der soge-
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