Jahrgang 
60 (1957) / N.S. 11
Einzelbild herunterladen
 

deutsche Fachsprache der Volkskunde immer weiter gepflegt und damitin ihrer Verbindlichkeit gerade in der bunt- vielsprachigen Welt deseuropäischen Südostens lebendig erhalten. Auch für diese wichtige Auf-gabe benötigen wir aber die neue, die erweiterte Form unserer Zeit-schrift.

Mit ihren 60 Jahrgängen ist unsere Zeitschrift heute die lang-lebigste Volkskunde- Zeitschrift im deutschen Sprachgebiet. Das alleinbezeugt schon ihre Stellung in der Geschichte unseres Faches, ver-pflichtet uns aber, ihr weiteres Wachstum besonders sorgfältig zubetreuen.Leopold Schmidt

Vierte Tagung Volkskunde und Rundfunk

Nach den vorangegangenen Tagungen Volkskunde und Rund-funk zu Stuttgart( 1953), Klagenfurt( 1954) und Bremen( 1955), diedurchwegs mehr auf wissenschaftliche Erörterungen und theoretischeForderungen ausgerichtet waren. hatte 1956 der Bayerische Rundfunkzu einer Tagung im kleineren Kreise, dafür aber mit scharf profilierterAusrichtung auf die praktischen Ergebnisse bisheriger Bemühungen nachNürnberg eingeladen. Ein einziger Vortrag wurde einleitend verlesen.Er stammte von Josef Dünninger, Professor für Germanistik und Volks-kunde an der Universität Würzburg und einem der erfahrungs- undauch erfolgreichsten Mitarbeiter im wissenschaftlichen Funk, Sein Vor-trag über Regionalismus und Provinzialismus" wandte sich( wie ähnlichschon in Bremen; vgl. OZV. NS. 10, 1956, S. 65 f.) scharf gegen dietheatralisch- betriebsame Art jener Heimatpflege, die sich aus selbst-überheblichem und daher unduldsam werdendem Heimat- und Volks-romantizismus zu Äußerungen verstieg, die Trachtenvereine" seien dieGaranten der abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländischen Kultur". Dünningers Hauptanliegen giltin der Ablehnung dieses Selbstzweck gewordenen und auch geistigengen Provinzialismus der Verfechtung eines richtigen Regionalismus,der das Gesetz der Individualisierung von Völkern und Stämmen undkleineren Gemeinschaften als Grundgesetz des Menschheitslebens an-erkennt, das Phänomen kollektiver Individualität bejaht und dies vorallem auch als Warnung vor dem verödenden Streben nach zivilisato-rischer Einheitskultur. Dünninger. der selber eine lange Reihe fein-sinniger Funksendungen über fränkische, bayerische, österreichische undbretonische Volkskultur geschrieben hat, weiß genau, daß das Regionalenicht mit Folklore gleichzusetzen ist, sondern daß die kulturbildendeKraft des Regionalen aus vielerlei Komponenten besteht, ja( nach einemWorte des Spaniers Americo Castro) Geschichte als regionale Selbst-verwirklichung" zu betrachten sei.

Von solcher Ausgangsebene aus versuchten nun die einzelnendeutschsprachigen Sendergruppen der westdeutschen Bundesrepublik,Österreichs und der Schweiz, an vorgeführten Bändern( und einen Fern-sehfilm des Bayerischen Rundfunks über Totenbretter im BayerischenWald von D. Kiesselbach) das zu erweisen, was sie sich unter Abkehrvon folkloristischem Provinzialismus hingegen als verwirklichtenRegionalismus vorstellten. Vielerlei Bänder wurden vorgeführt undherzhaft kritisiert zum Nutzen aller, die sich heute des Rundfunks alseiner der wesentlichsten Publikationsarten auch der Wissenschaftenbedienen: Seefahrt mit und ohne Ahoi!"( Bremen), Dem Volk aufsMaul geschaut"( Schwäb. Mundarten: Stuttgart), Brünig- Paß undGrenze( Studio Bern). Hell dat Holt und wiet de See"( norddeutsche

80