Jahrgang 
59 (1956) / N.S. 10
Einzelbild herunterladen
 

Schweizerische Volkskunde- Tagung 1956

Vom 5. bis zum 7. Mai dieses Jahres hielt die SchweizerischeGesellschaft für Volkskunde ihre 59. Jahresversammlung in St. Gallenab. Durch die gütigerweise gewährte Unterstützung des Bundesmini-steriums für Unterricht war es dem Gefertigten möglich, an dieserwichtigen Tagung mit ihren schönen Veranstaltungen teilnehmen undden österreichischen Verein für Volkskunde vertreten zu können. Diewohlgeplante Tagung begann mit einer Besichtigung von Klosterkircheund Stiftsbibliothek von St. Gallen und mit der Eröffnung zweierzusammengehöriger Ausstellungen in den beiden maßgebenden Museenvon St Gallen. Der Kunstverein St. Gallen zeigte im Alten Museum"die schöne Ausstellung Appenzellische und Toggenburgische Bauern-Malerei, die von ausgezeichneten Fachleuten gestaltet und von einergroßen Zahl öffentlicher und privater Leihgeber mit Zeugnissen ausallen Stadien dieser in mancher Hinsicht einzigartigen Senntum-Malerei beschickt worden war. Die Ausstellungsgestalter Walter Bur-ger und Arnold Hartmann legten zusammen mit R. Hanhart den aus-führlichen, reich bebilderten Katalog( mit 24 Abb.) über 203 Nummernvor. Von den Eröffnungsansprachen war besonders die des SammlersChristoph Bernoulli aufschlußreich, der ja 1941 mit Erwin Burckhardtzusammen das Buch Appenzeller Bauernmaler" herausgegeben hat.Das Neue Museum", also das Historische Museum, das über sehr reichevolkskundliche Bestände verfügt, zeigte die von seinem DirektorAlbert Edelmann eingerichtete Ausstellung Bäuerlicher Zierat" aufVolkskunstgegenständen aus Appenzell und Toggenburg, wo außer derSenntumskunst auch Tracht. Möbelmalerei usw. zu sehen war, zur be-sonderen Freude auch die Hochzeitstruhe des Armen Mannes* UlrichBräker, als Leihgabe von Prof. Georg Thürer. Die Ausstellungen ver-mitteln zusammen mit den Sammlungen des Historischen Museumseinen lebhaften Eindruck von der Besonderheit der ostschweizerischenVolkskultur, die man durchaus nicht so ohne weiteres mit der deut-schen und der österreichischen Volkskultur im Bodenseegebiet gleich-setzen darf, ungeachtet der alemannischen Sprachgemeinschaft rund umdas Schwäbische Meer". Beim offiziellen Abendessen dieses Tageswurde der lebhaft interessierten Gesellschaft ein Schmalfilm gezeigt,den Dr. W. Egloff- Bodmer über das Hornussen" gedreht hat.

Der Sonntag brachte nach der Hauptversammlung im Schützen-garten den sehr aufschlußreichen und anregenden Vortrag von Dir.Dr. Georg Schmidt Malende Bauern und Handwerker im 19. und 20.Jahrhundert. Ein Beitrag zur Soziologie der Malerei", der vom kunst-wissenschaftlichen Standpunkt die Appenzeller Senntum- Malerei mitden Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven" der verschiedensten Zeiten, nicht zuletzt mit denPeintres naifs" in Verbindung brachte, die in ihrer amerikanischenSpielform in den letzten Jahren ja durch mehrere gute Ausstellungenauch in Europa bekanntgemacht wurden.

Nachmittag fuhr die Gesellschaft nach Bregenz, womit die Aufgabeder österreichischen, besonders der Vorarlberger Volkskunde begann.Eine Stadtführung durch Prof. Wolfgang Rusch zeigte die sehenswertenTeile der Bregenzer Altstadt, ein gemeinsames Abendessen im Löwen"brachte die schweizerischen Gäste mit den Vorarlberger Persönlich-keiten in Verbindung. Prof. Dr. Karl Ilg hielt danach einen instruk-tiven Lichtbildervortrag Volk und Volkskunde Vorarlbergs in Ver-gangenheit und Gegenwart", für den ihm der um die Gestaltung derTagung so sehr bemühte Obmann Prof. Dr. Karl Meuli dankte.

F

0451

BIBLIOTHEK

VOLKS

MUSEUM

WIEN