Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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um die Quelle herumgesteckt, oft dutzendweise ³). Das gleicheKreuzleinstecken ist nicht auf die Wallfahrtsbrunnen beschränkt,auch andere geweihte Stätten, besonders Wegkreuze, werdenmitunter mit solchen Kreuzen besteckt. Der Brauch geht in dieserForm weit über die Alpenländer hinaus und ist beispielsweiseauch in Polen verbreitet 9). Mitunter hat er von bestimmtenOrden und den von diesen gepflegten Verehrungen Stützung er-halten. So pflegen die Dominikanerklöster sowohl in Graz wiein Lienz und wohl auch andernorts die Verehrung des hl. PetrusMartyr 10). Für Graz ist bezeugt, daß man Reliquien des Heiligenin einen Brunnen versinken ließ, ingleichen eingeweihte Zweigeund dann( davon) gemachte Creutz,( die) von Feldern und Wein-Gärten vil gefährliche Ungewitter abgewendet, inmassen esannoch ruechbar, daß die mit gedachten Zweygen oder Creutzenbesteckte Gründ erhalten, andere aber bey der Seyt anrainendevon Gewitter erschlagen worden" 11). Das ist also eine Spezia-lisierung: das Kreuzschwommen wird nicht als Orakelbrauch,sondern als Gewitterabwehr geübt, in Verbindung mit demGlauben an ein Spezialpatronat des hl. Petrus Martyr. DieSegnung der Kreuzlein erfolgt von den Ordensleuten selbst, diean den genannten Klöstern derartige Kreuze bis heute ver-teilen 12).

Man sieht, wie hier das Thema unseres Pilgerbrauches sichausweitet. Historische Beziehungen tauchen auf, und mit ihnendie neuen Fragen, inwieweit der Brauch als ganzer mit ihremBereich zusammenhängt, und inwieweit er von vornherein diegrößere Reichweite besitzt und sich an jenen Ordensstätten nurspezialisiert hat. Wie in der Sprachwissenschaft treten die Pro-bleme der Generalisierung und der Spezialisierung einandergegenüber. Geht man den Weg in der Richtung auf die Gene-ralisierung hin, so wird man das Kreuzschwemmen zumindest ineiner Hinsicht, nämlich als Verwendung eigens gebundener Holz-kreuzchen, als die Sonderform ansehen, und das Kreuzchensteckenals die allgemeinere. Da zeigt dann wieder ein weiterer Rund-blick, daß dieses Kreuzstecken nicht auf den Pilgerbrauch be-schränkt ist. Es werden nicht nur wallfahrtsmäßig verehrte Weg-kreuze besteckt, sondern in anderen Landschaften auch andere8) Gustav Gugitz, Kärntner Wallfahrten im Volksglauben undBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum. Klagenfurt 1951, S. 51 ff.

9) Eigene Beobachtung bei Deblin an der Weichsel, 1940.

10) Oswald Menghin, Der Kult des hl. Petrus Martyr( Zeitschriftdes Vereins für Volkskunde, Bd. XXVI, Berlin 1916, S. 298 ff.).

11) Gugitz, wie Anmerkung 8, S. 52, Anm. 88.

12) Rudolf Kriß und Leopold Schmidt, Führer durch die Samm-lung für deutsche religiöse Volkskunde. Wien 1936, S. 11, Schrank II/ II.

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