seelischen Grundhaltungen als auch den kulturellen Entwicklungs-phasen der einzelnen Nationen nachweisbar sind, als man bisher an-genommen hat"( I, 11). Solche Einstellung spiegelt sich schon in denArbeiten des J. Jahrganges:
R. v. Uslar( Der Turm der Veleda ein Wohnspeicher?")deutet die Tacitusstelle( Hist, IV, 65) von der germanischen SeherinVeleda, die„ edita in turre" wohnte. als einen Wohnspeicherbau, wiees schon H. Phleps 1939 vertreten hatte. Gibt es zwar auf germani-schem Boden keine Wölbebauten entsprechend den mittelmeerischenTalayots und den Nuraghen, so sind uns genügend Belege für dasWohnen der weiblichen Familienmitglieder in dem bure" bekannt,unter dem wir uns auch schon vormittelalterlich einen mehrgeschossi-gen, gestelzten Holzbau mit fortschrittlicher. der Geräte- und Möbel-fertigung entnommener Zimmerung vorstellen dürfen.-- In lokalenBegrenzungen untersuchen J. Bendenmacher. Das rheinischeBauernhaus nach dem heutigen Stand der Forschung" und W. Rees.Eingebautes bergisches Mobilar". E. Christmann erweist ineingehender Untersuchung„ Das Pennsylvaniadeutsch als pfälzischeMundart, einmal gegen den Vorwurf, daß es zumal infolge seiner ein-dringenden englischen Elemente ein Kauderwelsch, etwas Entartetessei, und zum anderen auf Grund der lautgesetzlichen Übereinstim-mungen, ferner aus den Schiffslisten der Auswanderer. Flur- undOrtsnamen in ihrer Bedeutung für die wechselseitige Durchdringungder Forschung" erweist H. Meyer an Hand des Stadtplanes der 1200Jahre alten Stadt Düren, W. Herrmanns erzählt aus der Früh-geschichte des Aachener Puppenspiels“, teilt aber im wesentlichen nurSpieltitel gewerblicher Wanderspieler des 18. und des frühen 19. Jahr-
hunderts mit.
Daß einst der große U. v. Wilamowitz in seinem bekanntenÄrger gegen die Parallelisierungssucht einer früheren Generation vonVolks- und Völkerkundlern sich den Ausspruch leistete, die Geister-gläubigen möchten sich auf Griechisch ausdrücken. und daß er dabeiZustimmung beim Religionspsychologen K. Marót( 1939) fand, weil auchder die ständig wiederkehrende Erklärung zahlloser Bräuche als Ab-wehr böser Geister" als vorschnell. als zu rationalistisch. das Irratio-nale( er nennt es das„ Sublogische") in ihnen zu wenig erkennend ver-urteilt, all das darf nicht hindern, daß eine jüngere, religionsgeschicht-lich wie völkerkundlich und urgeschichtlich in gleicher Weise vor-gebildete Volkskundeforschung immer wieder versuchen wird, dieQuellen der Antike neu auf ihren volkskundlichen Gehalt zu unter-suchen, die räumlichen Beziehungsweiten zu erkennen, ihre Kontinuitätbis zur Gegenwartsüberlieferung zu verfolgen. Aus solcher Schau er-wachsen heute in der Wiener Schule Arbeiten wie jene von L.Schmidt( Pelops und die Haselhexe, Laos 1951; Der Herr derTiere", Anthropos 1952; Karten einer gegenwärtig in Wien gezeigtenSonderausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde überDamokles. Ödipus u. a. in der abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Erzählüberlieferung) 1.Wir glauben, daß die moderne Volkskunde berufen ist.in solcher Art befruchtend auf manche andere Wis-senschaft älterer Universitätsgeltung ein zu wirken. H. Herter wagt den Weg in aller Vorsicht gegenüber derMahnung eines Wilamowitz,„.Böse Dämonen im frühgriechischen Volks-
1) Vgl. oben S. 65 und 65.
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