Jahrgang 
56 (1953) / N.S. 7
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gedachten). galt ihr und ihrer Nachfolger Bemühen fast aus-schließlich den Erzählungen an und für sich. Immerhin liegenaus früher Zeit verhältnismäßig viele wörtliche Aufzeichnungenvon Volksmärchen aus verschiedenen Ländern vor und habenMänner wie Campbell 2) und der so früh verstorbene UlrichJahn³) bereits Grundlegendes geleistet.

Einen entscheidenden Fortschritt brachte die russische For-schung noch vor dem ersten Weltkriege, und seither wird denTrägern des Erzählgutes in wachsendem Maße die gebührendeBeachtung zuteil 3a). Vor allem hat die Arbeit Gottfried Hen-Rens für große deutsche Gebiete hier bereits grundsätzlichWandel geschaffen, dessen jüngste Arbeit über Egbert GerritsErgebnisse zeitigt, die in ähnlicher Weise auch für Österreichzutreffen 4).

Obwohl die österreichische Forschung gegenüber der Lehr-meinung Naumanns von der Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven Gemeinschaftskul-tur" von Anfang an durch Michael Haberlandt auf dieschöpferischen Kräfte und ihr Wirken im Arbeitsleben des Vol-kes wie auf dem Gebiete der geistigen Volksgüter hinwies ³),Arthur Haberlandt der Persönlichkeit im Volk" nachging"),Leopold Schmidt die Gesellschaftlichen Grundlagen desalpenländischen Volksschauspielwesens") untersuchte und Leo-pold Kretzenbacher den Trägern des Volksschauspieles in

1) Vgl. Bolte- Polivka, Anmerkungen zu den Kinder- undHausmärchen der Brüder Grimm, Leipzig 1915-52, Bd. 4. S. 435.2) J. F. Campbell, Popular Tales of the West Highlands. 2. Aufl.London 1890-95. 4 Bde.

3) Volksmärchen aus Pommern. Norden 1891.

3a) Z. B. R. Viidalepp. Von einem großen Estnischen Volks-erzähler.( Acta Ethnologica 1937, S. 158 ff.) Von den 256 ErzählungenJürjensons sind kaum mehr als 12 eigentliche Märchen.

4) Gottfried Henẞen, Überlieferung und Persönlichkeit. DieErzählungen und Lieder des Egbert Gerrits.(= Schriften des Volks-kunde- Archivs Marburg, Bd. 1). Münster i. W. 1951.

5) M. Haberland't, Gesunkenes Kulturgut und Gemeinschafts-kultur.( Wiener Zeitschrift f. Volkskunde, Bd. XXX. 1925, S. 1-5.) Invornehmer Weise setzt sich H. Koren mit Naumanns Anschau-ungen auseinander, deren anregende Wirkung er anerkennt. SeineAusführungen über das Gesetz der Entfaltung" heben die Tatsachehervor, daß die als Keimform vorhandenen volkstümlichen Überliefe-rungsgüter in immer weitere Bereiche der Gültigkeit aufsteigen.( NeueChronik zur Geschichte und Volkskunde der innerösterreichischenAlpenländer, Beilage zur Südost- Tagespost, Graz, 20. Juli 1952.)

6) A. Haberlandt. Die deutsche Volkskunde. Eine Grundlegungnach Geschichte und Methode etc.(= Volk. Grundriß der deutschenVolkskunde in Einzeldarstellungen. Bd. 1) Halle/ Saale 1955, S. 105 ff.7) Theater der Welt, Bd. I, 1937, S. 382 ff.

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