Jahrgang 
56 (1953) / N.S. 7
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daß sich die veranstaltenden Kreise jetzt auf die Rolle desOrganisierens und Zuschauens zurückzogen und sich die Volks-kultur vorspielen lassen. Die Parallele zu den Trachtenauf-zügen und Volksfesten der Gegenwart, zwar nicht mehr fürDynasten und Adelskreise, sondern für den devisenbringendenausländischen Gast liegen auf der Hand....

Zum dritten sind beim Volksfest zu Wieden, auch wenn esunter dem Gesamttitel Bauernhochzeit geht, deutlich Ele-mente der Volkskultur des Bauerntums, bzw.rein ländlicher Kreise und des Arbeiterstan-des nebeneinandergestellt. Denn Reif- und Schwerttänze ge-hörien nie zum Ritual auch der allergrößten Bauernhochzeit,sondern waren ständisches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum der Arbeiterschaft, derZünfte und Gilden, in den Alpenländern vornehmlich der Berg-knappen. Diese Tänze waren damals wie heute nicht außerhalbdes engeren Umkreises ihrer Arbeitsstätten üblich. Man mußiealso die Schwert- und die Reiftänzer aus den Industriebezirkenvon damals, als das Mürztal noch nicht wie heute eine einzigegroße Industriestraße war, eigens nach Wieden holen.

Hier stoßen wir auf eine viel zuwenig erforschte Tatsache,daß es auch in Steiermark ein eigenes Arbeiterbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Arbeiterbrauchtum nebenden bäuerlichen Formen der Festkultur gegeben hat.

An einer einzigen Stelle kontinuierlicher Bergbaukultur inInnerösterreich ist z. B. der Reiftanz noch bis heute das stolz bei-behaltene Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum derer verblieben, deren Fest er seit Jahr-hunderten verschönte und deren Gemeinschaft er geradezu ver-sinnbildet: zu Hüttenberg in Kärnten beim Reiftanzder Bergknappen, wie er alle drei Jahre, zuletzt 1949 und* 1952. jeweils am Dreifaltigkeitssonntag traditionell als Mittel-stück einer Kette bergmännischen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums getanzt wird.Überall sonst ist sowohl der Schwerttanz als auch seine Schwe-sterform, der Reiftanz, der noch bis über Erzherzog JohannsZeiten, also bis tief ins 19. Jahrhundert Kultureigen der Knap-pen des Metallbergbaues und der eisenverarbeitenden Betriebewie der Salzleute war, mit dem Verfall dieser Formen ständischgebundenen Arbeiterbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Arbeiterbrauchtums in ländliche Hände vorwiegendbäuerlicher Kreise übergegangen. Im Jahre 1808 hat sich Erz-herzog Johann ein Schwerttanzspiel der Ausseer Salzleute vor-führen und aufzeichnen lassen"). In seinem Tagebuche kommtder steirische Prinz mehrmals auf die Rottenmanner Bergknap-

9) A. Schlossar, Der Schwerttanz in Obersteiermark. Ein Bei-trag zur Volkskunde und Volkspoesie Steiermarks.( ÖsterreichischeCultur- und Literaturbilder. Wien 1879, S. 179 ff.)

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