lassen eine Reihe kulturhistorischer und volkskundlicher Über-legungen zu. Einmal wissen wir dadurch zum ersten Male voneinem größeren, oberschichtlich organisierten„ Volksfest" mitausgesprochen folkloristischer Absicht auf ein buntes Schau-gepränge zur Landesrepräsentation in Steiermarkum die Mitte des 18. Jahrhunderts. Dies also ein halbes Jahr-hundert vor der Wirksamkeit Erzherzog Johanns für diesesLand. Das Volk selber ist bei diesem Volksfest" nicht der unter-haltene, sondern der unterhaltende Teil. Um des Schauprinzipeswillen nimmt man auf brauchtümliche Bindungen an ein Hoch-fest des Lebens oder ständische Festfeiern der Bergknappen, derHüttenleute oder Hammerwerksarbeiter keine Rücksicht.
Zum andern erhält das berühmte, allerdings nur bis zurGeneralprobe gediehene„ Volksfest" des ErzherzogsJohann aus dem Jahre 1814 im Park des Schlosses Eggen-berg bei Graz einen genau so groß und ebenso von Adels-kreisen zum Schaugepränge für anwesende Dynasten aufgezo-genen Vorläufer mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor. Es istbekannt und auch in einem zeitgenössischen Stiche bildlich er-halten, daß Erzherzog Johann auf Grund eines Auftrages seineskaiserlichen Bruders in Wien für Ende November 1814 zumEmpfang des Kaisers von Österreich, Franz I., des Königs Fried-rich Wilhelm III. von Preußen und des russischen Zaren Alexan-der I. ein großartiges„ volkskundliches Festspiel" vorbereitethatte, für das ein eigenes Textbuch in Versen gedruckt vorliegt.Bergknappen und Hammerleute, Jäger, Fischer, Schmiede, Koh-lenbrenner und Bauerngruppen aus der deutschen Ober- undMittelsteiermark und aus dem slowenischen Unterlande warenaufgeboten und zur Generalprobe am 16. November 1814 imSchloßpark von Eggenberg cingetroffen, ihre Trachten. ihr Sin-gen und Jodeln, ihre Tänze und nicht minder auch ihr Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumtheatralisch vorzuführen. Es kam jedoch nicht zum eigentlichenFeste, da der Zar erkrankte und mit dem„ Aufgeschoben“ auchein Aufgehoben" verbunden blieb ³).
Es kann jedoch kaum mehr ein Zweifel darüber bestehen.daß das Vorbild von Wieden noch nachwirkte. Kulturgeschichtlichreiht es sich gut an die nunmehr„ folkloristisch" ausgerichtetenSchäfereien und„ Wirtschaften", mit denen sich einst die Hof-kreise vergnügt und dabei das Vorbild für das nachfolgendeBürgertum abgegeben hatten. Der Unterschied liegt nur darin,
5) Vgl. über dieses Eggenberger volkskundliche Festspiel: V. Ge-ram b. Erzherzog Johanns Bedeutung für die steirische Volkskunde.( Das steiermärkische Landesmuseum Joanneum. Graz 1911, S. 48 ff.)
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