Jahrgang 
55 (1952) / N.S. 6
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der Gegenwart aber wohl schon zu anderen Schlüssen kommen. Das,, Flüchtlingsmöbel ist keineswegs das Ideal der Möbelverbraucher, eswird höchstens als Durchgangsstadium gewertet. Linien in der Richtungzu einem fülligen Neubarock zeichnen sich weit eher ab, wobei das vonAugst so sehr betonte feine Formgefühl des dadurch abgelehntenneudeutschen Möbels auf die Architektenschaft beschränkt erscheintDie beobachtende Forschung muß, ohne zu werten, feststellen, daß dievon gar keinem Formgefühl beherrschte Bauernstube" noch immervordringt, daß der Rundbau" als Zeichen einer neuen Saturierunggelten kann usw. Eine Gegenwartsmöbelvolkskunde" wird also weit-gehend zu anderen Schlüssen kommen als der in Wirklichkeit gar nichtmehr zeitgemäße Augst. Was freilich seine Leistung für seine Zeit nichtherabsetzen soll.Leopold Schmidt.

Clemens V. Trefois, Ontwikkelings geschiedenis van onze lande.lijke architectur. 297 Seiten mit 250 Abb. Antwerpen 1950. VerlagDe Sikkel. Belg. Fr. 440,-.

Seit dem mächtigen Werk von J. H. Gallée, Das niederländischeBauernhaus und seine Bewohner", 1909, hat das Haus- und Wohnwesenam Niederrhein keine derart umfangreiche und sachkundige Bearbei-tung mehr gefunden wie die vorliegende, die der Architekt Trefois ganzim Sinn der modernen technischen" Hausforschung gestaltet hat. DerTitel Entwicklungsgeschichte mag daran etwas befremden, wir sindderartige naturwissenschaftliche Bezeichnungen in unserem Fach nichtmehr gewöhnt. Es ist aber eigentlich die an den Außerlichkeiten ables-bare Geschichte gemeint, wie sie sich nach einfacheren und komplizier-teren Baugebilden gliedern läßt. Das geschichtliche Moment ist vorallem durch die tüchtige Einbeziehung der urgeschichtlichen Grabungs-ergebnisse gegeben, wie sie am Niederrhein vor allem von Bonn ausseit Jahrzehnten so erfolgreich gerade für die Hausforschung genütztwerden. Über den Stand der gegenwärtigen Forschung unterrichten vondieser Seite her jetzt die Arbeiten von Justinus Bendermacher:Der heutige Stand der rheinischen Hausforschung, Köln 1950, und: Dasrheinische Bauernhaus nach dem heutigen Stand der Forschung( Rheini-sches Jahrbuch für Volkskunde, Bd. I, Bonn 1950, S. 17 ff.).

Trefois gliedert sein schönes Werk in sechs Hauptstücke: I. Dieprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive" Volksbaukunst, II. Die konstruktiven Gliederungen in derländlichen Fachwerkarchitektur, III. Die Hoftypen, IV. Die Scheunen-typen. V. Die alte Bauernwohnung, VI. Bräuche und Symbole. DasHauptgewicht der Darstellung liegt bei der genauen Vorweisung derKonstruktionstypen der Wände, Dachgerüste und Dachdeckungen. Vonscharfen Einzelaufnahmen unterstützt, wird hier jeweils Eigenart undVerbreitung der betreffenden Konstruktion erörtert. Im Gegensatz zuGallée rückt Trefois von den stammlichen Zuweisungen ab, wenn er dieBenennungen als keltische, fränkische" usw. Typen auch mit demVorbehalt sogenannte" beibehält. Wichtige Sonderformen, wie bei-spielsweise die Holzwölbungen durch gebogene Dachsparren im so-genannten krukgebind", kommen bei dieser Art der Darstellungebensogut heraus wie die Hoftypen oder die verschiedenen Scheunen.von der offenen Heuberge bis zur gemauerten kirchenartigen abdij-schuur".

Der letzte Abschnitt über Wohnbrauch und Haussymbolik ist amkürzesten und wohl auch nicht ganz im Einklang mit der neueren

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