beste Lösung der künftigen Großstadtbehausung kommt Rainer immerwieder zurück, besonders bei dem ausführlich besprochenen„ Pianohaus",das freilich in allen gezeigten Formen doch immer wieder wie ein Kleinbau-ernhaus der heutigen österreichischen Wirklichkeit anmutet, und eben nichtals Großstädterwohnung. Daß das bäuerliche Wohnhaus der Stadtumgebungauf den Einfamilienhausbau anregend wirken könnte, hätte sich für WienerVerhältnisse noch weit besser darstellen lassen, wenn Rainer nicht geradeschlesische Weberhäuser mit ihren gassenseitigen Giebellauben als Vor-bilder hingestellt hätte, sondern unsere Trettenhöfe mit ihrer bemerkens-werten Geschlossenheit, die auch dem Großstädter, der selbst in der Stadt-randsiedlung individualistisch für sich wohnen möchte, ausgestaltungsfähigerscheinen könnten.
Solche Gedanken wollen das treffliche Buch, das vorbildlich aus-gestattet ist und sich auch für den Nicht- Architekten sehr gut liest, nichtkritisieren, sondern eher auf seine Notwendigkeit hinweisen. Es stecktsowohl in seinen Feststellungen, wie auch in seinen Wünschen ein GutteilGroßstadtvolkskunde drin.Leopold Schmidt.
Leopold Schmidt, Geliebte Stadt, Briefe an Wien. Mit 8 farbigen Zeich-nungen von Oskar Laske, Berglandverlag und Verlag Ed. Hölzel inWien, 1947, 139 Seiten, S 25.-.
Leopold Schmidt, dem 1937 die„ Wiener Volkskunde“ gelang, hatseiner Heimatstadt schon öfter ein Zeichen der Dankbarkeit und Zuneigunggesetzt. Auch hier macht er sich zum kundigen und gewandten Sprecherfür viele, die wohl täglich an den Palästen und Kirchen, Denkmälern undGärten der Stadt vorbeigehen und sich ihrer Schönheit freuen, ohne sichaber je der inneren Einheit dieser Stadt am„ Tor ohne Riegel", ihreslebendigen Wachsens und Reifens, der Fülle ihrer zur Schau gestellten undverborgenen Schätze des Geistes und der Kunst bewußt zu werden, diezusammen jenes geistige Wien ausmachen, das noch immer Haapt undKrone im Kaiserreich des abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Geistes ist, auch wenn derPrunkmantel da und dort von einer ehrfurchtslosen Zeit zerrissen wurde.die eingestückten Flicken erst recht unsere gegenwärtige Armut bekunden.In einem seiner letzten Bücher war Schmidt„ Zwischen Bastei undLinienwall"( Wien, 1946) gewandert. Nun aber, in seinen„ Briefen an diegeliebte Stadt" geht er sinnend durch die inneren Bezirke als ein Kundiger.dem ihre Baugeschichte so vertraut ist, wie es die Schätze sind, die ihrePaläste, Kirchen und Museen beherbergen, dessen Liebe nie zum Enthusias-mus wird, weil die Einsicht immer von der nüchtern klaren Gabe des Ver-standes erhellt wird. Schmidt ist kein Romantiker, keiner, der in selbst-gewollter Beschränkung nur das Schöne sieht und hymnisch mitteilt. Manmuß es wissen, daß diese 15 Briefe an die geliebte Stadt an allen Frontendes Krieges entstanden sind, daß der Verfasser in der Verlassenheit öst-licher Steppen sich mit der ganzen Kraft seiner Seele, seines Wissens undseiner Phantasie das Bild der geliebten Stadt, der Großstadt- Heimat be-schwor und dann in dieser herbeigezwungenen Wirklichkeit auch ungestörtseinen eigenen und eigenwilligen Weg zu wandeln vermochte, auf demer zum Deuter aus tiefer Wesensschau, zum Kritiker und kühnen Bau-berater, da und dort aber auch zum geistreichen Spötter werden konnte:fast hätten auch wir wie der Verf. selbst gesagt: zum„, wienerischen Raun-zer" aber dafür hat er zu viel Geist und wirklichen Humor, sonst wäreihm nicht jener eine Brief über die Wiener ,, Denkmalbedenken" oder garjener Von Häusern und ihren Zeichen“ gelungen. Ein Glück! er schriebkein Kapitel über die Wiener Straßennamen! Hier hätte er nämlich bitter
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