seite, religiöse Wandgemälde mit Bevorzugung der Altöttinger Madonnaund fromme Sprüche oberhalb der Haustüre). Die Ausstattung des Herr-gottswinkels und das Auswechseln der dort befindlichen Bilder zu Weih-nachten, Ostern und Pfingsten sind eigenartige Ausdrücke der Volks-frömmigkeit. Ebenso zeigt K., wie eine tiefe Religiosität die von derSennerin geübten Almsitten beherrscht: Almisegen, Anbringen eines Kreuzesüber der Herdstätte der Almhütte( Feuerkreuz) und an der Außenseite derHütte vor dem Viehabtriebe zur Dämonenabwehr und die Wallfahrt am24. August nach St. Bartholomä.
Aus dem eingehend geschilderten gegenwärtigen Hochzeitsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Hochzeitsbrauchtumhebe ich hervor: das vom Bräutigam gegebene Hochzeitsgeschenk( durch-wegs Schmuckgegenstände aus Hirschkranl), das Tragen von Halbtrauer-kleidern der Braut zwischen Verkündigung und Hochzeit, worin K. dieTrauer über den baldigen Abschied der Braut vom Elternhause sieht, unddas Zeremoniell des Hochzeitsladers( Tracht und Danksprüche). Unter denBegräbnissitten verdient Erwähnung, daß das Totenbrett jetzt nur mehr inder Gemeinde Ramsau angefertigt wird.
Einige Besonderheiten aus dem III. Kapitel,., Der bäuerliche Alltagund die höheren Mächte“ nahm ich schon oben vorweg. Almordnungen ausdem 18. Jahrhunderte und das„ Britschen" der Sennerin, bzw. des Küh-buben durch den Almherrn, werden von K. eingehend gewürdigt. Gleichder Schilderung der Almsitten sind volkskundlich sehr beachtlich K.s An-gaben über Volksmedizin, besonders über übernatürliche Heilmittel; dafürwird als prächtiges Beispiel ein vor mehreren Jahren verstorbener bäuer-licher Anwender" vor Augen geführt, der nur die auf Einwirken über-irdischer Mächte erfolgten Krankheiten und Unfälle der Menschen undHaustiere behandelte, wobei ihm die sogenannte„ Schwörrute" genaue Aus-kunft gab und er bei der Anwendung von vier Methoden nur Heilmittelübernatürlicher Wirkung( besonders geweihtes Öl) verwendete. K. bemerkt,daß auch im Berchtesgadener Lande gegenwärtig die Zahl der„ Anwender"in starkem Rückgange begriffen ist und daß sich die wenigen vorhandenenbloß auf die Heilung einer bestimmten Krankheit verstehen und sich dafürgedruckter Heilsegen bedienen. Auf mehrere vorhandene Beinheiler gehtK. nicht ein, wohl aber auf einige magische Praktiken, die der dortigenBevölkerung bekannt sind, auch als Sympathiemittel gelten und auf Nach-ahmungszauber beruhen. Aber der Verinnerlichung des barocken Katholi-zismus der Berchtesgadener Bevölkerung entspricht die von K. gemachteWahrnehmung, daß die gegen Krankheiten und Unfälle der Menschen undHaustiere gegenwärtig angewendeten übersinnlichen Vorbeuge- und Heil-inittel mehr auf religiösen als auf magischen Vorstellungen beruhen. Bei-spiele aus dem 18. und 19. Jahrhundert über den Schutz der kirchlichenVorschriften durch weltliche Behörden werden aus Schmidhammers Manu-skript gegeben. Wohl angebracht war es von K., die von den Berchtes-gadenern aufgesuchten Wallfahrtsorte ihres Ländchens eingehender als inseinem Werk ,, Volkskundliches aus altbayrischen Gnadenstätten"( NachtragBaden bei Wien 1931) zu berücksichtigen Beachtlich ist dabei die Be-schreibung einiger merkwürdiger Votivtafeln, deren älteste aus dem 17.Jahrhundert stammen. Den Schluß bilden das Verzeichnis des von K. be-nützten Schrifttumes, das von Leopold Schmidt hergestellte dankenswerteSachverzeichnis und das Inhaltsverzeichnis.
Der Brauchtumsforscher Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsforscher wird aus diesem qualitativ hochwertigenBuche manche Lehre ziehen können. Er wird vor allem zur Erkenntnisgelangen, daß für die Erforschung des Gegenwartsbildes eingehende Eigen-
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