Jahrgang 
51 (1948) / N.S. 2
Einzelbild herunterladen
 
  

Die Auswertung der Geschichtsquellen für die

Volkskunde

Mit besonderer Berücksichtigung Niederösterreichs

Von Hans Plöckinger

Die vielen Publikationen österreichischer Geschichtsquellen ¹)und unsere oft sehr reichen Heimatarchive 2) bieten auch der Volks-kunde wertvolles Material. Dieses läßt gut erkennen, wie sich dasVolkstum in Österreich zu seiner besonderen Eigenart entwickelthat und welche Einflüsse dabei maßgebend waren. So wirkte diedauernde Berührung mit fremdsprachigen Nachbarvölkern starkein, ebenso die hohe Bedeutung, zu welcher das Barock in Öster-reich gekommen ist. Die vielfache Anwendung der Volkskunst imWinzerleben Niederösterreichs 3) kann wohl als sehr sprechendesZeugnis gelten. Je seltener jenes gegen Osten und Süden zu inAnwendung kommt, um so auffälliger läßt auch diese nach, wasbeim burgenländischen und steiermärkischen Weinbau gut erkenn-bar ist.

Wenn solche Hinweise auf Zusammenhänge der Kunstgeschichtemit der Volkskunde deuten, so lassen sich für diese noch mehrErkenntnisse und Aufschlüsse aus dem geschichtlichen Quellen-material gewinnen. Es wurde zwar schon vielfach für sie in be-schränktem Umfange und bei Einzelfragen ausgewertet, so für dieBehandlung des Hausrates und der Kleidung 4) oder für alte Volks-spiele und-bräuche in Tirol 5), wie auch für die Familien-geschichte). In seiner Wiener Volkskunde" hat Leopold Schmidt( Ergänzungsband XVI der Wiener Zeitschrift für Volkskunde, 1940)Zeugnisse und Quellen aus dem Schrifttum zusammengestellt undtrefflich ausgewertet. Dabei ist natürlich nur die Stadt Wien be-handelt. Ein stetes Zurückgehen auf die historischen Grundlagenbei allen Fragen, die es erfordern konnten, dürfte wohl wegen derSchwierigkeit der Materialbeschaffung als nicht durchführbar oderauch als unnotwendig erachtet worden sein.

Im nachfolgenden soll nun aufgezeigt werden, wie sich vieleZweige der Volkskundeforschung durch das Zurückgreifen auf ferneVergangenheit vertiefen und mit unserem Heimatlande altverbun-den machen lassen, daß die Brauchtumsbeispiele Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsbeispiele nicht in der Ferne

13