die noch nicht unbedingt„ originell" sein will, aus der reichenTotentanzüberlieferung gerade der östlichen Länder Österreichsgeholt. Solches bleibt aber Teil unter Teilen, auch wenn die An-klänge an unsere Spiele vom Armen Sünder, Jedermann usw. sehrdeutlich sind.
Das steirisch- kärntische Prasser- Hauptsündenspiel ist alsonicht eine willkürliche, planlose oder zufällige Kontamination, son-dern die sehr bewußte Konstruktion einer barockenHauptsünden allegorie religiös- dogmatischerArt zu einem völlig neuen Spieltyp, der dann alsStubenspiel bis in das 20. Jahrhundert in Steiermark und Kärntenbeliebt bleibt. Die Grundlage ist das Formprinzip der Reihung nachdem Vorbild des Totentanzes, der seinerseits mehr eine ständischeAllegorie religiös- sozialer Natur ist.
Im Grunde genommen ist darin ein Streben nach einemneuen Typus des Mysterienspieles zu erkennen. Esgeht nicht mehr um die Verdichtung des Oster- und Weihnachts-geschehens( Passion, Paradeisspiel, Herbergsuchen, Christigeburt-und Hirtenspiel, Herodes- und Dreikönigsspiel). Vielmehr läßtbarocke Schwellkraft aus blutlosen Moralbegriffen einen lebendigenBilderreigen volkstümlicher Art entstehen, den die katechetisch-lehrhafte Absicht zur Predigtillustration als Führkraft ordnet.
So besehen gewinnen gerade die steirisch- kärntischen Prasser-Hauptsündenspiele an Wert für die vielumstrittene Erkenntnis desWerdens der jetzt noch lebenden Volksschauspiele. Der Streit umdie Herleitung des mittelalterlichen Spieles aus vorwiegend lite-rarisch- liturgischen Quellen und Ursprüngen( J. Schwietering,H. Brinkmann) oder um seine Geburt aus Volkskult undBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum( O. Höfler, R. Wolfram, R. Stumpfl) ist nochnicht verstummt. Nur schwer setzt sich eine vermittelnde An-sicht durch, die vor allem einmal das entscheidende Problem des,.luftleeren Raumes" zwischen dem Absterben des spätmittelalter-lichen Dramas als öffentlicher Gemeinschaftsform und dem spätenGreifbarwerden unserer heutigen Volksschauspiele als des nichtmehr von einem Bürgertum, sondern vom vorwiegend ländlichenvulgus in populo getragenen Spieles zu erhellen strebt* ¹). So wieeine neue soziologische Betrachtungsweise des Lebensumgrundesdes Volksschauspieles uns sehr wesentliche Erkenntnisse über die,, gesellschaftlichen Grundlagen des alpenländischen Volksschauspiel-wesens 52) zu geben in der Lage ist und zu weitgehenden Schlüs-sen auf die Überlieferung und Einflußnahme der jeweiligen Spiel-träger als der„ Persönlichkeiten im Volke“( A. Haberlandt),auf Textgestaltung und Darstellungsstil befähigt, so läßt auch erstdas Bloẞlegen der einzelnen Spielschichten zwischen Spätmittel-
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