130ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1Der Gedanke, dass diese Bauruine als Vorlage für einensogenannten Krippenberg dienen könnte, ergab sich in Zusammen-hang damit, dass Scheichenost und Tomberger ab Dezember 2024 inReminiszenz gemeinsamer Erlebnisse einen Krippenbaukurs beimKrippenverein Wien besuchten.8Im Interview mit dem Volkskun-demuseum Wien erzählte Scheichenost:„Die Idee, die Ruine desLamarr als Krippe darzustellen, kristallisierte sich schnell heraus. DasGebäude stand für uns symbolisch für die Verschwendung öffentli -cher Gelder, politische Intransparenz und strukturelles Versagen.“9Es handelte sich um die erste Krippe der beiden, deren Fami-lien keine besonderen Krippentraditionen praktizieren. Der Krippen-verein Wien unterstützte die Idee und den Bau, vor allem die Instal-lation der Elektrik, im Wissen,„dass Krippen historisch nicht immertraditionell gestaltet waren“10. Die Errichtung des Krippenberges, alsoder Umgebung, in die die zentralen Szenen einer Weihnachtskrippeeingebettet sind – in diesem Fall die Darstellung der Bauruine –,war in etwa drei Tagen vollbracht. Er besteht aus Styrodur, Holz-und Metallelementen. Scheichenost betonte im Interview:„Entschei-dend war[…], den unfertigen Charakter der Baustelle zu bewahren.“Die detailreiche Ausgestaltung in diesem Sinne und die Erstellungder Figuren nahmen hingegen zwei Wochen ein:„Die Oberflächenwurden durch Schichtmalerei, Waschungen und Pigmente bearbeitet,um unterschiedliche Texturen zu erzeugen.“11So blieb der Eindruckeiner Baustelle überzeugend erhalten. Über die Figuren erzählte derKrippenbauer:„Was als spontane Idee begann, entwickelte sich zu einemumfangreichen Vorhaben. Die Detailarbeit – insbesonderean den Figuren – nahm immer mehr Raum ein. Ursprünglichplanten wir, abstrakte Charaktere zu gestalten, die von rea-len Persönlichkeiten inspiriert waren. Die Umsetzung erwiessich jedoch als komplex: Jeder Kopf wurde in Handarbeit8Interview mit Leo-Constantin Scheichenost, geführt am 19.1.2026, 13–14Uhr, von Kathrin Pallestrang und Johanna Amlinger(beide Volkskunde-museum Wien).9Ebd.10Ebd.11Ebd.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Pallestrang, Kathrin: Die Lamarr-Krippe
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Die Lamarr-Krippe : eine spezielle Heilige Familie in einer Bauruine
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