Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Raid, Maria; Puchberger, Magdalena: massiv unsichtbar

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
massiv unsichtbar : Erinnerungsprojekt des Volkskundemuseum Wien zum Luftschutzbunker Schönbornpark im 8. Bezirk
(Josefstadt)
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Maria Raid und Magdalena Puchberger, Den Tod zur Welt bringen?89Es ist also nicht besonders außergewöhnlich, dass das VKMab 1969 Anspruch auf den Luftschutzbunker im Schönbornparkanmeldete und ihn als zusätzlichen Ausstellungs- und Lagerraum nut-zen wollte. Jahrelang standen diesem Wunsch bürokratische Hinder-nisse von Seiten der Stadt Wien und des Bundes entgegen. Um 1970begann eine fast zwei Jahrzehnte dauernde intensive Phase, in der dasVKM versuchte, gegen die Widerstände und Tatenlosigkeit der städ-tischen sowie der staatlichen Verwaltung in den Bunker zu kommen.Diese wendungsreiche Intensivphase startete Ende 1969, alsder damalige Direktor Leopold Schmidt eine sanfte Annäherung anden(vermeintlich) zuständigen Magistrat der Stadt Wien wagte, umdrängende Anliegen des Museums voranzutreiben. In einem Schrei-ben an die für Kultur, Schulverwaltung und Sport zuständige Stadt-rätin Gertrude(Fröhlich-)Sandner(1926–2008) erinnerte erwiederdaran, dass das Gartenpalais Schönborn, in welchem das Museum seit1917 Platz gefunden hatte,längst zu klein geworden sei. Es platzemit seinen zusehends größer werdenden Sammlungen aus allen Näh-ten. Schmidt wies auf eineverhältnismäßig leicht umzusetzendeAbhilfe des Raumproblems hin, indem er etwas zynisch den‚Bun-ker, mit dem der an das Museumsgebäude angrenzende Schönborn-Park im letzten Krieg verziert wurde18, ins Spiel brachte. Neben dergroßen Fläche des Bunkers zählte er noch weitere Vorteile auf, mitdenen sich aufgestaute Probleme lösen lassen würden: Durch einenAufbau sei etwa eine Ausstellungshalle möglich, in der man endlichdie bis dahin in den gleichzeitig für Ausstellungs- und Depotzwe-cke genutzten Räumen des Gartenpalais Schönborn untergebrachtenSammlungsobjekte öffentlich präsentieren könne. Zusatzeffekt sei, soSchmidt, dieNutzbarmachung des heute völlig unnötigen Bunkers.Neben einem für mögliche Subventionsgeber*innen kostengünstigenMuseumsbau und einer damit einhergehenden kulturellen Aufwer-tung des 8. Bezirks sah Schmidt auch noch einen ästhetischen Vorteil:Der Hallenaufbau würde nämlichdie unansehnlichen Rückfronten18Schreiben Leopold Schmidt an Magistrat der Stadt Wien, Geschäfts-gruppe III, Kultur und Volksbildung, VBM Sandner:Betr. WienerStadtforschung Wiener Großstadtvolkskunde. 4 Seiten, Ordner­Bunker 1969, Archiv Volkskundemuseum Wien.